Das Glück erzwungen

Samstag, 30.01.2021 | 02:01 Uhr

Der FCS kehrt zum Siegen zurück. Nach der Auftaktniederlage in Thun rehabilitiert sich der Stadtclub im Derby und gewinnt gegen den Ewigrivalen FC Winterthur mit dem knappsten aller Resultate, aber hoch verdient.

In einer Ausnahmesaison wie dieser kommt so viel zusammen. So feiert nicht nur der FCS sein 125-jähriges Jubiläum, sondern auch der ewige Begleiter aus Winterthur tut Selbiges (siehe auch hier «A Letter For Winti»). Ideen wie man so etwas zelebriert gibt es genügend, doch auch hier bestimmt Corona den Fahrplan beziehungsweise den Festakt. Dazu kommt, dass die diesjährige Challenge League-Saison ultraspannend ist, da gleich sechs Teams in der Spitzengruppe involviert sind, darunter sowohl die Eulachstädter, wie auch die Schaffhauser. Runde für Runde stehen mehrere Spitzenspiele auf dem Programm. Wie viele Fans die Neuauflage des Ewigderbys ins Stadion gelockt hätte, lässt sich nur erahnen. Obwohl bekannt ist, dass die Meisterschaft derzeit leider ohne Publikum durchgeführt wird, gingen viele Fananfragen aus Winterthur und Schaffhausen ein, ob es nicht doch möglich wäre, diese Affiche live vor Ort mitzuverfolgen. Wie gerne würden wir für allen Fussballliebhaber*innen die Pforten öffnen und stellen uns vor, wie die kantonale Gesundheitsbehörde am Montag von 5000 Tinnitusfällen berichtet, weil die biergeölten Kehlen einen Lärmpegel verursachten, welche sogar ein Death Metal-Konzert im Keime ersticken liessen. Aber solange seitens des Bundes, des Kantons und der SFL keine Lockerungen angekündigt werden können, sind die Spiele nur via Livestream abrufbar.

FCS offensiv überlegen

Lediglich eine Schar Medienschaffende und ein paar Kadermitglieder beider Teams wurden Zeitzeugen eines einmal mehr umkämpften Derbys, welches andere Voraussetzungen mitbrachte, als sich letzten Endes herausstellte. Gegen ein biederes Chiasso spielte Winti vor Wochenfrist stark auf und sorgte für einen indiskutablen 3:0-Sieg, nachdem die Partie mit 24-stündiger Verspätung begann, weil das Tessin sintflutartige Regenfälle verzeichnete. Zur selben Zeit versuchte sich der FCS aus der Winterlethargie zu befreien, was ihm auch gelang – allerdings erst, als Gastgeber Thun mit 3:0 führte. Ivan Prtajins Treffer war dann nur noch Resultatkosmetik. Folglich erwartete man einen ähnlich auftretenden Eulachlöwen, doch die Rot-Weissen blieben insgesamt viel zu zahm und passiv. Dafür starteten die Munotstädter mit einem Dauergeschwader. Während den ersten 20 Minuten erarbeitete sich der FCS etliche Halbchancen, die nicht konsequent fertig gespielt wurden. Doch Wintis Schlussmann Dario Marzino hielt den ersten Abschlussversuchen von Prtajin, Rodrigo Pollero und Uran Bislimi stand. Letzterer zeigte sich an diesem Abend vermehrt mit erhöhtem Offensivdrang und bereitete nicht nur pfannenfertige Vorlagen vor, sondern versuchte sich auch als potenzieller Torschütze, was Bislimi allerdings verwehrt blieb. Auch André Luis Neitzke zeigte sich angriffig und bewies Offensivpower. Sogar einen Freistoss aus 30 Metern wollte er im «Facchi-La-Bomba»-Style auf Marzino abfeuern, doch dieses Geschoss gelang dem Scharfschützen nicht wunschgemäss. Der Nachbarsgast hingegen entfloh nur selten der Verteidigungsarbeit. Waren die Winterthurer im Ballbesitz, fanden sie kein Mittel, um die hervorragend organsierte Schaffhauser Defensive zu knacken. Lindrit Kamberis Schuss nach elf Minuten war die einzige Gelegenheit, während Bislimi mit seinem Abschlussversuch in der 43. Minute den eine weitere heisse Torchance für sich beanspruchte. Nach einer Hereingabe von Francisco Rodriguez verfehlte der 21-Jährige das Ziel nur ganz knapp.

Slapstick-Tor entscheidet Derby

Kurios ging es in der 54. Minute zu und her. Mit Bislimi als Regisseur arbeiteten sich die Schaffhauser in den Winterthurer Strafraum. Zuerst versuchte er Prtajin zu lancieren, der jedoch wieder abbrechen musste. Bislimis zweiter Versuch ging über Rodriguez, der direkt auf die Höhe des Elfmeterpunktes flankte. Dort übernahm Pollero einmal mehr per Kopf und lenkte das Leder in die rechte Ecke. Marzino hechtete gen Ball und schien diesen abfangen zu können. Doch dem Keeper entglitt die Kugel, die unter seinen Beinen hindurch über die Torlinie kullerte. Nach etwas Zögern und nach der Bestätigung des Ref-Assistenten anerkannte Schiedsrichter Luca Cibelli den Treffer. Dieses Glück, in Form dieses Slapsticks, musste sich der FCS richtiggehend erzwingen, denn unter herkömmlichen Umständen wäre den Gelb-Schwarzen wohl kein Tor gelungen, was auch weitere Topchancen im weiteren Spielverlauf aufzeigten: Polleros Doppelschlag-Versuch nach Vorarbeit Bislimis, Sangoné Sarrs Donnergeschoss aus 18 Metern nach Rodriguez’ abgeblockter Vorlage oder Jetmir Krasniqi, der nach 70 Minuten einen magistralen 45 Meter-Pass direkt in die Füsse von Rodriguez zirkelte. Im Schlepptau des ehemaligen FCS-Abwehrhünen Granit Lekaj versuchte «Cico» mit einem Lupfer Keeper Marzino zu bezwingen, doch dieser reagierte blitzschnell und pflückte den Ball aus der Luft. Auch Prtajin in der Schlussphase konnte am Resultat auch nichts mehr verändern. Die gefährlichste Winterthurer Aktion der Partie hielt sich der Gast bis zuletzt auf, als Florian Baak den Ball haarscharf links am Tor vorbeihämmerte. Das knappe 1:0 war nach diesem Schockmoment definitiv eingetütet.

FCS auf dem dritten Rang

Mit diesem Sieg klettert der FC Schaffhausen wieder zurück auf den dritten Platz. Bereits am kommenden Dienstag steht das nächste Nachbarduell auf dem Programm. Zu Gast beim fünftplatzierten FC Aarau wollen die Munotstädter diesen 1:0-Sieg gegen Winterthur bestätigen und sich in diesem Spitzensextett möglichst weit oben positionieren. Jedoch werden die Aargauer etwas ausgeruhter zu Werke gehen, wurde nämlich die Partie im Letzigrund gegen GC kurzfristig abgesagt, weil auch dort am Freitagnachmittag und -abend sintflutartige Regenfälle den Rasen unbespielbar machten. Dennoch ist der FCS bestrebt auf dem Brügglifeld zu reüssieren, hat dieser nach der 1:2-Niederlage in der ersten Begegnung noch eine Rechnung zu begleichen. Auch dieses Spiel zwischen Aarau und Schaffhausen wird im Livestream übertragen.

#füürenand mit #füürundflamme #füürdäFCS #hoppschaffhuuse

 

Telegramm


FC Schaffhausen – FC Winterthur 1:0 (0:0)
Stadion Schaffhausen – ohne Zuschauer – SR: Luca Cibelli.
Tor: 54. Pollero 1:0.
Schaffhausen: Da Costa; Krasniqi, Neitzke, Bunjaku, A. Müller (89. Mozzone); Bislimi, Hamdiu, Sarr (70. Mujcic), Rodriguez; Prtajin, Pollero (89. S. Müller).
Winterthur: Marzino; Lekaj, Baak, Kamberi, Wittwer; Pepsi (82. Gantenbein), Arnold; Di Nucci (82. Mahamid), Alves, Ballet (70. Ramizi); Buess.
Bemerkungen: FCS ohne Lika, Paulinho (beide verletzt), Del Toro, Talic, Deronjic (alle rekonvaleszent), Djoulou, Padula, Bajrami, Furrer, Wick, Berglas-De Nobile und Barry (nicht im Aufgebot). Winterthur ohne Callà, Spiegel, Muci, Schüpbach, Roth, Gonçalves, Pauli, Nezaj, Ltaief, Costinha (alle verletzt), Emeghara, Volkart, Hammer, Dakaj und Rama (alle nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 29. Buess (Foul), 38. Kamberi (Foul), 44. Rodriguez (Ballwegschlagen, im nächsten Spiel gesperrt), 56. Lekaj (Reklamieren, im nächsten Spiel gesperrt), 87. Mujcic (Spielverzögerung?)

Videozusammenfassung: https://www.sfl.ch/sfl-tv/video/23194/

Bild: www.freshfocus.ch / Claudio Thoma

Das Glück erzwungen

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Winterthur
Friday, 29.01.2021 | 20:00 Uhr
Stadion Schaffhausen, Schaffhausen

Resultat: 1:0 (0:0)

Torschützen

54' Rodrigo Pollero (Assist: Francisco Rodriguez) 1:0

Karten

29' Roman Buess (Foul) [3/4]
38' Lindrit Kamberi (Foul) [1/4[
44' Francisco Rodriguez (Ballwegschlagen, im nächsten Spiel gesperrt) [4/4]
56' Granit Lekaj (Reklamieren, im nächsten Spiel gesperrt) [4/4]
87' Mirza Mujcic (Spielverzögerung) [3/4]

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