Der FCS schreibt Geschichte

Samstag, 19.12.2020 | 01:12 Uhr

Im 17. Versuch seit dem 02. November 1931 hat es endlich geklappt. Der FCS gewinnt sein erstes Heimspiel gegen den Grasshopper Club Zürich in der Vereinsgeschichte mit 2:1.

Wie oft schon war der FCS nahe an einem Heimsieg gegen die Grasshoppers. Der scheinbar übermächtige Zürcher Verein hat den Gelb-Schwarzen während den letzten 89 Jahren immer wieder schmerzhafte Niederlagen zugefügt. Sei es bei der Erstauflage am 02. November 1931 im Schweizer Cup, als GC die damaligen Spartaner gleich mit 10:1 bodigte oder das Eisschrank-Spiel – wie so oft im Sechzehntelfinal – im Dezember 2012, als der FCS heroisch kämpfte und sich erst im Elfmeterschiessen beugen musste. In den letzten rund 16 Jahren kamen die Munotstädter schrittweise immer näher zum Erfolg, wie letzte Saison, als den Blau-Weissen immerhin ein Remis abgeluchst werden konnte. Es brauchte also 17 Heimspiele, verteilt auf lange, lange 89 Jahre, bis der FC Schaffhausen endlich im eigenen Stadion reüssieren konnte. Ein geschichtsträchtiger Moment in der Historie des Vereins. Vergleichbar mit diesem Erfolg ist vielleicht die 59-jährige Wartezeit zwischen 1955 und 2014, ehe der FCS erstmals auf der Pontaise beim FC Lausanne-Sport gewann. Aber dieser Meilenstein gegen den Rekordmeister aus Zürich ist aus verschiedenen Gründen höher zu gewichten. Neun Spieler und sechs Staffmitglieder haben eine GC-Vergangenheit, gegenüber fünf Akteuren, die aus Schaffhausen stammen oder dessen Farben trugen. Zudem gelten die Hoppers als Ligakrösus und haben sich seit sechs Runden auf dem Tabellenthron eingenistet. Allerdings entstanden die Siege der Zürcher jeweils glücklich, da sie meist im letzten Moment noch zuschlagen konnten. Auch die bittere 1:2-Niederlage war noch in den Schaffhauser Hinterköpfen. Genug Argumente, um die perfekte Geschichte zu schreiben.

Mit Del Toro kam der Offensivschwung

GC übernahm schon schnell das Zepter und präsentierte sich dominant, spielbestimmend und bewies sich in Effizienz. Mit der ersten richtigen Offensivaktion staffierte sich Nikola Gjorgjev in Richtung Gefahrenzone, wo André Santos übernahm und sein Abschluss von der rechten Strafraumgrenze staubtrocken in die linke Ecke schlenzte. Der FCS brauchte rund 10 Minuten, bis er sich wieder fing; in dieser Zeit drängten die Zürcher auf eine frühe Vorentscheidung. Petar Pusic’ Schuss vier Minuten später war die heikelste Szene, die sich abspielte. Der Gastgeber raffte sich auf und war plötzlich präsenter. Dies auch, weil Danilo Del Toro schon nach 19 Minuten eingewechselt wurde und für ziemlichen Wirbel sorgte. Der Linksfüsser ersetzte Rodrigo Pollero, der verletzt ausschied und rechtfertigte seine Nominierung beileibe. Zuerst leitete Del Toro ein Übersee-Zuspiel von André Luis Neitzke auf Uran Bislimi weiter, der von der Strafraumgrenze nicht etwa gleich draufhaute, sondern den sich anbietenden Francisco Rodriguez anspielte. Doch dessen Kopfball landete in den Pranken des ex-FCS-Keepers Mateo Matic. In der 32. Minute verlief das Ganze etwas erfolgreicher. Valon Hamdius Flanke von rechts behändigte zwar Matic gekonnt, stürzte jedoch über seinen Aussenverteidiger Allan Arigoni, worauf Del Toro profitierte und das Spielgerät subito zu Ivan Prtajin weiterleitete. Dieser vollstreckte die Aktion mit dem 1:1-Ausgleich. Kurz vor dem wohlverdienten Pausentee hatte Del Toro gar die Führung auf dem Fuss, als er nach einer gelungenen Stafette mit Bilsimi und Sangoné Sarr mit einem satten Rumms von gefühlten 300 km/h abpfefferte, derweil Matic den Ball nur mit einem Reflex abwehren konnte.

Mozzone mit historischem Treffer

Mit frischen Kräften aufgetankt, lief Schaffhausens Wirbelwind in ein ungenaues Zuspiel GC’s hinein und lancierte einen Bilderbuch-Konter. Im Doppelspiel mit Rodriguez knallte Del Toro das Leder aus fünf Metern in Richtung Nachthimmel. Der Gast kam nicht mehr auf Betriebstemperatur und forderte seinen Kontrahenten nur selten wirklich heraus. Der FCS witterte die einmalige Chance und erhöhte durch die Einwechslung Emiliano Mozzones die Pace nochmals. Der Uruguayer erhielt ein Zuspiel von Bislimi, büschelte sich den Ball vor dem Sechzehner und erledigte die Sache mit einem Flachschuss, den Matic nicht mehr erreichte. Mit diesem 2:1-Treffer bucht sich Mozzone einen Platz in den Geschichtsbüchern. Ein Aufbäumen seitens der Hoppers? Mitnichten. Abgesehen eines Abschlusses von Santos in der Nachspielzeit lag nicht mehr drin. Der wacker kämpfende FC Schaffhausen brachte die Führung über die Runden und verdiente sich diesen historischen Sieg über alle Strecken. Auch die schon fast erwarteten Nachspielzeittore fielen an diesem Abend (ausnahmsweise) nicht.

Rivalenduell am Dienstag

Bevor der Winterurlaub der Liga eine Pause gönnt, reist der FCS am kommenden Dienstag nach Chiasso zum Nachtragsspiel aus der 12. Runde. Die Tessiner haben heute Abend den SC Kriens mit 3:2 bezwungen und die Rote Laterne Neuchâtel Xamax FCS abgegeben. Die Rosso-Blú werden mit entsprechendem Selbstbewusstsein in dieses Rivalenduell steigen, doch auch für diese delikate Herausforderung will Trainer Murat Yakin einen Schlachtplan aushecken, um im Abschlussspiel in diesem Jahr nochmals dreifach zu punkten. Zu sehen ist FC Chiasso 1905 – FC Schaffhausen am Dienstag, 22.12.2020 ab ca. 18:05 Uhr auf www.fcschaffhausen.ch/livestream.

#füürenand mit #füürundflamme #füürdäFCS #hoppschaffhuuse

 

Telegramm

FC Schaffhausen – Grasshopper Club Zürich 2:1 (1:1)
Stadion Schaffhausen – ohne Zuschauer – SR: Esther Staubli.
Tore: 10. Santos 0:1, 32. Prtajin 1:1, 72. Mozzone 2:1.
Schaffhausen (diese Spieler schreiben Geschichte): Da Costa; J. Krasniqi, Neitzke, Bunjaku, Mujcic (85. Müller); Bislimi, Hamdiu, F. Rodriguez (57. Mozzone), Sarr (85. Kastrati); Pollero (19. Del Toro), Prtajin.
Grasshoppers: Matic; Arigoni (82. Ronan), Cvetkovic, Toti, Lenjani (82. Fehr); Santos, Schmid; Pusic, Pina (75. Bonatini), Gjorgjev; Demhasaj.
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Paulinho, Lika, Álvarez (alle verletzt), Djoulou, Deronjic, Sessolo, Barry, Tanzillo, Talic, Bajrami und Furrer (alle nicht im Aufgebot). GC ohne Salvi, Nadjack, Morandi (alle verletzt), Berbic, Keller, Correira, Dickenmann, Yang, Diani, Rastoder und Mesonero (alle nicht im Aufgebot). – 19. Pollero verletzt ausgeschieden.
Verwarnungen: 32. Pusic (Foul), 39. Neitzke (Foul), 66. Schmid (Foul), 79. M. Yakin (Reklamieren), 92. Da Costa (Spielverzögerung), 94. Santos (Foul).

Videozusammenfassung: FC Schaffhausen – Grasshopper Club Zürich


Bild: www.freshfocus.ch / Andy Müller

Der FCS schreibt Geschichte

Telegramm

FC Schaffhausen
Grasshopper Club Zürich
Friday, 18.12.2020 | 20:00 Uhr
Stadion Schaffhausen, Schaffhausen

Resultat: 2:1 (1:1)

Torschützen

10' André Santos (Assist: Nikola Gjorgjev) 0:1
32' Ivan Prtajin (Assist: Danilo Del Toro) 1:1
72' Emiliano Mozzone (Assist: Uran Bislimi) 2:1

Karten

32' Petar Pusic (Foul) [1/4]
39' André Luis Neitzke (Foul) [2/4]
66' Dominik Schmid (Foul) [2/4]
79' Murat Yakin (Reklamieren) [1/4]
92' David Da Costa (Spielverzögerung) [2/4]
94' André Santos (Foul) [2/4]

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