In der Schlussminute erlöst

Mittwoch, 16.12.2020 | 01:12 Uhr

Die heutige Vollrunde hat einen ersten Cut in der Tabelle verursacht. Dank des 1:0-Sieges gegen Wil bleibt der FC Schaffhausen in der vorderen Sechsergruppe.

Sieben Zähler (oder 10 nach Verlustpunkten) beträgt die Differenz zwischen dem FCS und dem siebtkassierten Kriens, welches die Kellertabelle aktuell anführt. Die diesjährige Spielzeit ist noch ausgeglichener als in den vergangenen Jahren, kein Team sticht obenaus, auch Leader GC nicht, der die Challenge League mit vier Lenzen anführt. Die Hoppers haben derzeit das Schlachtenglück auf ihrer Seite, entscheiden sie die Partien just in diesem Moment, wenn die Schiedsrichter Luft holen, um abzupfeifen. Doch auch der FCS pflegt heuer diese Tugend. Ausser in Wil und daheim gegen Xamax sind in bislang sämtlichen Spielen nach 84 Minuten (entscheidende) Tore gefallen. Neunmal für den FCS, viermal für die Gegner SLO (2x), Aarau und GC. Bemerkenswert. So mussten sich die vielen FCS-Fans vor dem Livestream gegen Wil erneut gedulden, bis gejubelt werden konnte. Rettete Rodrigo Pollero vergangenen Freitag in Kriens die Gelb-Schwarzen im letzten Moment vor einer Niederlage, erwies er sich am Dienstagabend mit seinem achten Saisontreffer als goldener Last-Minute-Schütze. Doch bis zu diesem erlösenden Jubel brauchte es Nerven und viel Geduld.

Startfurioso ohne Ertrag

Die Devise war von Anfang an klar: Je früher die Kugel im Netz versenkt ist, desto einfacher wären die drei Punkte im Kasten. Diese Message verstand die Mannschaft gut umzusetzen, liess sie es gar nicht zu, eine «Abtast-Taktik» anzuwenden, sondern stürmte gleich los in Richtung Philipp Köhn, der den Wiler Kasten hütete. Francisco Rodriguez hinterliess eine erste Duftmarke, ebenso Ivan Prtajin kurz darauf. Der Gästekeeper wurde von der FCS-Offensive richtiggehend warm geschossen, auch als Uran Bislimi Prtajin in die Tiefe spielen wollte, meisterte Köhn diese Aktion ohne Probleme. Nach neun Minuten schien der Bann gebrochen, als Prtajin in seinem dritten Versuch die Maschen wackeln liess. Doch der Kroate war bei Polleros Zuspiel im Abseits, was auch Referee Alessandro Dudic bemerkte und den Treffer aberkannte. Ein erstes Lebenszeichen gab der FC Wil nach 13 Minuten, als Samuel Ballet nach einer Hereingabe von Mergim Brahimi den Aussenpfosten traf. Die Partie verlagerte sich zusehends ins Mittelfeld, die Angriffsbemühungen endeten meistens schon wieder vor der Strafraumgrenze. Dafür wurden die Zweikämpfe immer härter geführt, sodass die beiden Physios einige Einsätze abspulen mussten. So schied Valon Hamdiu nach einem harten Tackling von Robin Kamber fünf Minuten vor der Pause aus, Mirza Mujcic schied wegen Krämpfen aus, bezeichnend für die Intensität dieses Abnützungskampfes. Auf Wiler Seite erwischte es kurz vor Schluss Captain Philipp Muntwiler.

Wieder bis zur letzten Minute

Bevor die Eingewechselten die Schlussoffensive einläuteten, gab es sogar noch eine Anekdote zum Schmunzeln. Als Kamber wieder mit dem Fallbeil – dieses Mal bei Danilo Del Toro auf der Mittellinie direkt zwischen beiden Coaching Zonen – ausholte, erhielt der Wiler gleich auch noch eine verbale Klatsche von FCS-Coach Murat Yakin erteilt, der sich aufgrund dessen Einsteigen enervierte. Dies wiederum liess Muntwiler, der sich auf der eigenen Sechzehnerlinie befand, nicht auf sich sitzen und konterte, er solle doch duschen gehen, wenn es ihm nicht passe. Dies rief dann David Da Costa auf den Plan, von seinem Tor in aller Deutlichkeit quer über das Feld zu rufen, «Munti» möge doch seinen Mund halten. Die Beiden teilten sich in der Folge noch einige Liebesbekundungen aus, bis Dudic dies unterband und die Partie wieder freigab.
Eine Produktion in der 77. Minute, ausgehend eines Einwurfs von Jetmir Krasniqi, der von Pollero zu Roberto Rodriguez eingeleitet wurde, hätte beinahe zur goldenen Lösung gefunden, als Robi eine Gasse zu Sangoné Sarr fand. Dieser spitzelte den Ball allerdings etwas zu wenig hoch, sodass Köhn erneut in Extremis rettete. Zwei Minuten später versuchte sich Valon Fazliu auf der anderen Seite als Scharfschütze, doch Da Costa pflückte auch dieses Geschoss, was den Wiler Trainer Alex Frei zu Verzweiflungsrufe verleiten liess. In der 86. Minute löste André Luis Neitzke einen Konter aus, kegelte mit seinem flachen Laserpass die gesamte Wiler Defensive aus und mit Drilon Kastrati und Del Toro zwei Ausschwärmer. Das Leder gelang zu Letzterem, der dann doch einen Tick zu lange brauchte, um auf Kastrati zu spielen oder selbst sofort abzuschliessen. Denn im Eilzugstempo rauschte Ilan Sauter daher und konnte Del Toro noch entscheidend beim Schuss stören. Die 90. Minute brach an und der Zeitpunkt schien ideal für einen Lucky Punch, denn der FCS kam zu einem Corner. Robi Rodriguez nahm Augenmass auf Polleros Flugbahn und zirkelte den Ball genauso, dass der Uruguayer per Kopf nur noch einzunicken brauchte. Noch ein Wiler Versuch, den Neitzke im Nachthimmel versenkte, einer den Noah Jones ins Tribünennetz ballerte und etwas Ballverwalten an der gegnerischen Eckballfahne, bis der finale Pfiff erklang und den 1:0-Derbysieg besiegelte.

Am Freitag kommt GC

Der FCS ist mittlerweile seit sieben Partien ungeschlagen. Diese Serie soll bis zur Winterpause Bestand halten. Schon am kommenden Freitag kommts zum Heimknüller gegen den Grasshopper Club Zürich. Ob wir uns darauf einstellen können, dass auch in dieser Neuauflage die Entscheidung erst mit dem Schlusspfiff fällt?
Zu sehen ist auch diese Partie am Freitag, ab 19:50 Uhr auf www.fcschaffhausen.ch/livestream.

#füürenand mit #füürundflamme #füürdäFCS #hoppschaffhuuse

 

Telegramm


FC Schaffhausen – FC Wil 1900 1:0 (0:0)
Stadion Schaffhausen – ohne Zuschauer – SR: Alessandro Dudic.
Tor: 90. Pollero 1:0.
Schaffhausen: Da Costa; J. Krasniqi, Bunjaku, Neitzke, Mujcic (81. Müller); F. Rodriguez (81. Kastrati), Hamdiu (41. Sarr), Bislimi, Mozzone (59. R. Rodriguez); Pollero, Prtajin (59. Del Toro).
Wil: Köhn; Izmirlioglu, Muntwiler (87. Zumberi), Mätzler; Brahimi (81. Camara), Kamber (81. Sauter), B. Krasniqi, Kronig; Fazliu; Ballet, Blasucci (60. Jones).
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Djoulou (krank), Paulinho, Lika, Álvarez (alle verletzt), Deronjic, Padula, Sessolo, Barry, Tanzillo, Talic, Bajrami und Furrer (alle nicht im Aufgebot). Wil ohne de Mol, Abubakar, Ndau, Ismaili (alle verletzt), Sarcevic, Haile-Selassie, Talabidi, Paunescu, Mayer, Mettler und Abazi (alle nicht im Aufgebot). – 9. Tor von Prtajin wegen Offside aberkannt. 14. Ballet trifft Aussenpfosten. 41. Hamdiu verletzt ausgeschieden. 87. Muntwiler verletzt ausgeschieden.
Verwarnungen: 19. Hamdiu (Foul), 30. Blasucci (Foul), 60. Bislimi (Foul), 74. Kamber (Foul).

Videozusammenfassung FC Schaffhausen – FC Wil 1900


Bild: www.freshfocus.ch / Claudio Thoma

In der Schlussminute erlöst

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Wil 1900
Tuesday, 15.12.2020 | 20:00 Uhr
Stadion Schaffhausen, Schaffhausen

Resultat: 1:0 (0:0)

Torschützen

90' Rodrigo Pollero (Assist: Roberto Rodriguez) 1:0

Karten

19' Valon Hamdiu (Foul) [3/4]
30' Noah Blasucci (Foul) [1/4]
60' Uran Bislimi (Foul) [3/4]
74' Robin Kamber (Foul) [1/4]

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