Moral getankt gegen Chiasso

Mittwoch, 24.06.2020 | 00:06 Uhr

Die Heimpremière seit dem Lockdown verlief für den FC Schaffhausen schon fast nach Drehbuch. Dank Kampf, Biss und Mentalität besiegten die Munotstädter Rivale Chiasso verdient mit 2:1.

Immerhin - für 90 Minuten stand der FCS wieder einmal auf dem achten Tabellenplatz, doch das temporär überholte Aarau besiegte im Abendspiel den FC Wil 1900 mit 4:1 und zog wieder an den Schaffhausern vorbei. Doch das dürfte den Spielern aktuell egal sein, denn der Fokus liegt in der Freude des herbeigesehnten Vollerfolgs gegen das Schlusslicht Chiasso. Und diese Partie wäre eine kapitale gewesen, würde es in dieser Saison einen Absteiger geben. Doch die Rivalität dieser beiden Teams war auch in der 84. Direktbegegnung deutlich zu spüren. Die Nickligkeiten liessen nicht lange auf sich warten und nach einer Stunde kam es zu den schon fast erwartenden Rudelbildungen, die allerdings im Vergleich zu anderen Konfrontationen harmlos ausgingen. Lediglich die beiden Spielführer Imran Bunjaku und Bruno Martignoni wurden dafür mit Gelb belohnt, was für den Tessiner Captain zur Folge hat, dass dieser im kommenden Spiel gegen Aarau gesperrt ist. Die schon fast obligate Rote Karte blitzte in der tiefen Nachspielzeit ebenfalls noch auf, nachdem der eingewechselte Siyar Doldur gegen Edin Imeri die Sense auspackte und diesen in frustrierender Manier äusserst rüde von den Beinen holte.

Geniestreich entscheidet Rivalenduell

Klar, die beiden Mannschaften spielten auch Fussball. Die Gelb-Schwarzen legten los wie die Feuerwehr und hätten nach 10 Minuten schon mit zwei, drei Lenzen in Front liegen können. Nach 113 Sekunden bot sich Bujar Lika die Gelegenheit zur Führung, als er alleinstehend in der Fünferzone das freie Tor vor sich hatte und das Kunststück fertigbrachte, beim Abschluss FCC-Keeper Loïc Jacot abzuschiessen. Doch der Gästegoalie ging nicht K.O., im Gegenteil: Es sei bereits vorausgesagt, dass der Schlussmann der Rosso-Blú in dieser Partie gegenüber dem Ball eine aussergewöhnliche Anziehungskraft besass. Anders lässt sich schier nicht erklären, wie dieser Teufelskerl nahezu sämtliche Bemühungen der Schaffhauser mit seinen Paraden zunichtemachte. Trainer Alessandro Lupi lag mit seinem Poker richtig, auf der Torhüterposition einen Wechsel vorzunehmen und Alessandro Guarnone auf der Bank Platz nehmen zu lassen. Denn Jacot entschärfte auch den Knaller von Uran Bislimi in der 9. Minute, rettete seine Farben mirakulös nach Danilo Del Toros Bicicletta in der 50. Minute und in der Folgeaktion ebenso Hélios Sessolos Volleyabnahme. Auch als Del Toro und Karim Barry binnen Sekunden ihre hochkarätigen Chancen nutzen wollten, blieb der von seiner Abwehr im Stich gelassene Jacot erster Sieger. Doch in der 66. Minute war es endlich geschehen. Del Toro flankte von der linken Strafraumseite auf die andere Seite zu Gjelbrim Taipi, der direkt abnahm und das Leder mit voller Wucht abprallend am sich in den Schuss hineinspringenden Keeper in die Maschen knallte. Jedoch hielt die längst überfällige Führung nicht lange. Nur drei Uhrzeigerumdrehungen fand Rodrigo Pollero eine Lücke in der Schaffhauser Abwehr und schickte den ehemaligen FCS-Topscorer Patrick Rossini auf die Reise. Dieser schüttelte Serge Müller ab und vollbrachte das, was der Stürmer stets am liebsten macht. Dank diesem 1:1-Ausgleich blieb die Partie auf des Messer Schneide, da auch die Gäste nach ihrem Tor etwas Morgenluft schnupperten, bis Taipi in der 81. Minute mit einem Geniestreich das Rivalenduell endgültig entschied. Seinen Freistoss aus 20 Meter zimmerte er direkt ins Lattenkreuz, da hatte der Chiasso-Hüter trotz seiner Torwartecke nicht den Hauch einer Chance. Auch wenn nicht alles perfekt lief, darf attestiert werden, dass der FCS mit Leidenschaft, mit der nötigen Kampfbereitschaft und der richtigen Einstellung auftrat, was den 2:1-Sieg absolut rechtfertigt.

Moral getankt für das unberechenbare SLO

Mit diesem Sieg tankt der FCS Moral für die nächste Partie, die einen knacknussigen Charakter haben wird. Wie Chiasso bereits am letzten Samstag, gastieren die Munotstädter beim FC Stade Lausanne Ouchy, der weiter munter die Liga aufmischt. Die zähen Waadtländer sind nicht zu unterschätzen, hätten sie - genauso wie der FCS - nämlich gegen die Südtessiner deutlich höher gewinnen müssen. SLO spielt allerdings zuerst heute Mittwoch auswärts beim Überflieger SC Kriens. Dem FCS kommt entgegen einen Tag länger regenerieren zu können. Trotzdem gilt der Aufsteiger als unberechenbar und heimstark. Auch die Begegnung in Nyon am nächsten Samstag wird ab 18:15 Uhr via Livestream auf der Homepage übertragen: www.fcschaffhausen.ch/livestream.

Telegramm

FC Schaffhausen - FC Chiasso 1905 2:1 (0:0)
LIPO Park – 0 Zuschauer – SR: Nico Gianforte.
Tore: 66. Taipi 1:0, 70. Rossini 1:1, 81. Taipi 2:1.
Schaffhausen: Saipi; Müller, Mujcic, Kronig; Lika, Bunjaku, Bislimi (69. Imeri), Del Toro (69. Qollaku); Taipi (87. Kaiser), Sessolo (69. Bajrami); Barry (80. Tanzillo).
Chiasso: Jacot; Hajrizi, Piccinni, Martignoni; Dixon (80. Iberdemaj), Almeida (74. Wolf), Huser (83. Hadzi), Antunes (46. Doldur), Rossini; Pollero.
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Krasniqi (rekonvaleszent/geschont), Paulinho, Nikci (beide verletzt), Mevlja, Missi Mezu, Coulibaly, Vitija, Djordjevic, Sadik und Talic (alle nicht im Aufgebot). Chiasso ohne Bahloul (gesperrt), Conus, Kryeziu, Malinowski, Aquaro, Bellante, Bnou Marzouk (alle verletzt), Martorana, Keller, Zahaj, Nzilla Gama, Cyzas und D’Ippolito (alle nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 7 Dixon (Zurückhalten), 35. Taipi (Schwalbe - im nächsten Spiel gesperrt), 60. Martignoni (Unsportlichkeit - im nächsten Spiel gesperrt), 60. Bunjaku (Unsportlichkeit), 79. Gamarra (Foul), 90. Hadzi (Foul).
Platzverweis: 96. Doldur (grobes Foul).

Moral getankt gegen Chiasso

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Chiasso 1905
Tuesday, 23.06.2020 | 18:15 Uhr
LIPO Park, Schaffhausen

Resultat: 2:1 (0:0)

Torschützen

66' Gjelbrim Taipi 1:0
70' Patrick Rossini 1:1
81' Gjelbrim Taipi 2:1

Karten

7' Fabio Dixon (Zurückhalten)
35' Gjelbrim Taipi (Schwalbe - im nächsten Spiel gesperrt)
60' Bruno Martignoni (Unsportlichkeit - im nächsten Spiel gesperrt)
60' Imran Bunjaku (Unsportlichkeit)
79' Gonzalo Gamarra (Foul)
90' Merlin Hadzi (Foul)
96' Siyar Doldur (grobes Foul)

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