Perfekter Anlass unter perfekten Bedingungen

Sonntag, 21.06.2020 | 13:06 Uhr

Auf dem Sportplatz Prakerwiesen wurde erstmals seit dem Lockdown wieder gekickt. Der FC Diessenhofen empfing eine Allstars-Auswahl, bestehend aus diversen ehemaligen FCS-Akteuren. Versöhnlich war nicht nur das 2:2 Schlussresultat, sondern auch der Zusammenhalt innerhalb des Teams, wie auch zwischen den Spielern und den Fans, die bei der ersten Partie vor Publikum voll auf ihre Kosten kamen.

Gross war die Freude des Wiedersehens, als das aufgebotene Kader des Allstar-Teams auf den Prakerwiesen ankam. Das Feuer entfachte schnell wieder, Erinnerungen und Geschichten wurden ausgetauscht, ehe die Privatkleidung dem FCS-Tenü wich. Einige Akteure konnten es nicht ganz verbergen, dass sich die einen oder anderen Kilos angesammelt haben. «Ich habe seit etwa fünf Jahren keinen Ball mehr an den Füssen gehabt », verriet Diego Büchel vor der Partie. Mattias Schnorf war in den letzten Tagen schlecht zu erreichen, da er sich mit Waldläufen fittrimmte. «Ich hoffe, meine Kondition reicht für fünf Minuten Spielzeit», grinste der damalige beinharte Innenverteidiger. Und prompt rasselte Schnorf kurz nach seinem Moment des Comebacks derart skurril mit einem Diessenhofer Akteur zusammen, dass Raphael Mollet auf dem Platz mit einem Lachflash übermannt wurde. «Ich musste Tränen lachen und konnte mich kaum davon erholen», witzelte der frischgebackene Papa Mollet, der die nächste Saison in der 1. Liga bei Zug 94 in Angriff nehmen wird. Die Freude stand auch André Gonçalves ins Gesicht geschrieben, der mit Pascal Thrier bei Linth 04 aktiv ist und zusammen mit Daniel Hörtkorn während 90 Minuten die Abwehr bildete. Der Ravensburger habe sich optisch kaum verändert, stellten die langjährigen FCS-Fans fest. «Als wäre Daniel nie weg gewesen», frohlockte eine begeisterte Zuschauerin.

Stimmbänder und Hüften

Wahrscheinlich zum allerletzten Mal überhaupt stand Publikumsliebling Faruk Gül auf dem Bolzplatz. Den Wirbelwind plagen seit geraumer Zeit starke Hüftprobleme, sodass er seine Karriere beim SC Pfullendorf wohl oder übel beenden muss. Für einen Teileinsatz reichte es trotzdem, was das sehr gut gelaunte Publikum mit frenetischem Applaus und lautstarken «Gül, Gül, Super-Gül»-Rufen verdankte. Während die früheren (wahrscheinlich auch die aktuellen) Gegenspieler jeweils vor Ehrfurcht erstarrten, interessierten sich vor allem die weiblichen Zuschauerinnen für die ausgeprägten Waden Bertrand Ndzomos. Der Muskelprotz ging in Schaffhausen als kompromissloser Krieger in die Geschichte ein. Für die Rasenpfleger bedeutete dies jeweils Mehraufwand, da die tiefsten Furchen im Gras jeweils von seinen Tacklings stammten. Derzeit trägt Ndzomo die Farben des Zweitligisten Forward Morges. Quasi auf der Durchreise nach Belgien war Keeper Vaso Vasic, der sich diese Zusammenkunft nicht entgehen lassen wollte und die Partie seiner ehemaligen Teamkollegen aktiv mitverfolgte. Sehr zur Freude der Fans, die sich mit Souvenirs in Form von Autogrammen oder Selfies beschenkten. Zwischen den Pfosten stand zuerst Franck Grasseler, der nach dem Saisonabbruch in Frankreich mit Colmar Meister wurde. Gleich zu Beginn der Partie liess der Elsässer und Wahlschaffhauser wie gewohnt seine markanten Stimmbänder aufleben, da die Abwehr noch etwas Startschwierigkeiten hatte. Aber: «Ich habe zu Null gespielt, was will ich mehr? Mein Comeback beim FCS ist optimal geglückt», scherzte Grassler nach dem Spiel. Christian Baumgartner hütete während des zweiten Durchgangs das Schaffhauser Tor. Das frühere Eigengewächs musste sein ganzes Können präsentieren und entpuppte sich mit seinen Rettungsparaden als springende Katze.

Versöhnliches Schlussergebnis

Überall wo Dominik Schiendorfer spielt, ist sein älterer Bruder Cyril nicht weit entfernt. Gemeinsame Auftritte in Schaffhausen, Tuggen oder aktuell bei den Einsflöten des FC Seuzach waren dem Publikum gewiss. Während Cyril wegen einer Verletzung am Samstag nicht zum Einsatz kam, fiel Dominik nicht nur mit seinem Kopfschutz auf, sondern stellte bei den Angriffsauslösungen die Diessenhofer regelmässig vor Herausforderungen. Die Offensive bestückt mit Mariani, der immer wieder zum Abschluss kam und sein sicher geglaubtes Tor nur durch den Pfosten verhindert wurde, Freistossgott Toni Dos Santos, Harun Toprak, bekannt für seine strammen Schüsse und an der Spitze mit Admir Seferagic, der seine Champions League-Qualitäten immer wieder aufblitzen liess. Die beiden Initiatoren dieser Veranstaltung, Marco Mangold und Gianluca Frontino, kamen in der zweiten Hälfte zum Zug. Und der aktuelle FC Diessenhofen-Trainer stellte seine Jungs sofort auf die Probe. Schon nach zwei Minuten scorte Frontino dank seiner Schlitzohrigkeit und legte nach 53 Minuten pfannenfertig auf Büchel auf, der kurz nach dem Pausentee den FCS mit 2:0 in Front schoss. Je länger die Partie dauerte, desto mehr ging bei den Schaffhausern so langsam die Puste aus, sodass die letzten 20 Minuten immer mehr zur Abwehrschlacht verkam. Szenenapplaus vom Publikum und von sämtlichen Akteuren verdiente sich Sebastian Stelz, der nach einem spektakulären Fallrückzieher in der 72. Minute nur den Pfosten traf. Drei Minuten später gelang Stelz dann doch noch der Anschlusstreffer zum 1:2. Die Thurgauer warfen alles nach vorne und boten einen regelrechten Hitchcockkrimi, während die Munotstädter auf den Schlusspfiff des arbitrierenden Schiedsrichters Refik Refiku sehnten. Trainer Thomas Szabo liess dies relativ unbeeindruckt, zog sich die Sonnenbrille an und genoss in stoischer Gemütlichkeit die Abendsonne. Unbestätigten Gerüchten zufolge schloss Szabo lediglich die Augen und wünschte sich den nicht aufgebotenen Gjanni Alioski in der Abwehr zur Unterstützung. Zwar schlich sich Luca Tranquilli heimlich auf die Ersatzbank, doch auch er konnte trotz mentaler Unterstützung und als Motivator den sehenswerten 2:2-Ausgleich durch Gennaro Frontino in der 88. Minute nicht verhindern. Das versöhnliche Schlussergebnis ist aber auch das stärkste Indiz der gemeinsamen Solidarität dieser Veranstaltung.

Rundum gelungener Anlass

Nach dem Schlusspfiff liessen sich die verdienten FCS-Akteure von den zahlreich angereisten FCS-Fans feiern. Für die Anhänger schien der persönliche Kontakt essenziell, nicht nur um die historischen Sammlungen zu ergänzen, sondern auch, um sich auszutauschen, in Erinnerungen zu schwelgen und ganz einfach Spass zu haben. Mitten drin auch Frontino, der - wie auch Tranquilli und alle anderen Schaffhauser - von allen Seiten eine riesige Solidaritätswelle verspürte. «Was aus einer eigentlichen Bieridee daraus entstanden ist, bedeutet nicht nur mir unglaublich viel. Dieser Spirit innerhalb des Teams, da praktisch alle sofort nach unserer Anfrage für das Spiel zugesagt haben, ist unbeschreiblich. Aber auch die Verbundenheit mit dem grossartigen Publikum ist wirklich beeindruckend», so ein rundum glücklicher Frontino. Und so feierte das Team zusammen mit den Diessenhofern diese Klassenzusammenkunft bis tief in die späten Abendstunden hinein.

Danke!

An dieser Stelle möchte sich der FC Schaffhausen beim gesamten OK für die tolle Zusammenarbeit bedanken, die dieses historische Spiel binnen 2 Wochen organisiert und realisiert haben. Der Dank geht auch an das sich vorbildlich verhaltene Publikum, welches dem gesamten Anlass Farbe eingebracht hat, dem FC Diessenhofen und allen Helferinnen und Helfern für die riesige Gastfreundschaft und allen ehemaligen FCS-Spielern, die von überall her angereist sind und einen wertvollen Beitrag geleistet haben.

Telegramm

FC Diessenhofen - FC Schaffhausen Allstars 2:2 (0:0)
Prakerwiesen – 300 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Refik Refiku.
Tore: 48. Gianluca Frontino 0:1, 54. Diego Büchel 0:2, 76. Sebastian Stelz 1:2, 88. Gennaro Frontino 2:2.
FC Diessenhofen: Keller; Rüegg, Kaninke, F. Luma, Neziraj; Stelz, A. Luma, A. Aulisio, Züst, Zwahlen; Scheiwiler. Ebenfalls eingesetzt: Stübi, Gö. Gülay, Gü. Gülay, Schätzle, Fuchs, Brütsch, Gennaro Frontino, Hoxha, Al. Dos Santos, Brühwiler, Berisha.
FC Schaffhausen Allstars: Grasseler (46. Baumgartner); Gonçalves, Mollet (46. Schnorf), Thrier, Hörtkorn; Ndzomo, D. Schiendorfer; Toprak (46. Büchel), Mariani (46. Mangold), An. Dos Santos (46. Gül); Seferagic (46. Frontino).
Bemerkungen: Diessenhofen ohne L. Aulisio, Waldvogel, Schweri und Rüedi (abwesend). Schaffhausen ohne Senicanin, C. Schiendorfer (beide verletzt), Mujic und D’Acunto (abwesend). Vasic und Tranquilli unter den Gästen. - 42. Pfostenschuss Mariani. 72. Pfostenschuss Stelz.
Verwarnungen: keine.

Perfekter Anlass unter perfekten Bedingungen

Telegramm

FC Diessenhofen
FC Schaffhausen
Saturday, 20.06.2020 | 17:30 Uhr
Prakerwiesen, Diessenhofen

Resultat: 2:2 (0:0)

Zuschauer: 300

Torschützen

48' Gianluca Frontino 0:1
54' Diego Büchel 0:2
76' Sebastian Stelz 1:2
88' Gennaro Frontino 2:2

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