Niederlage in letzter Minute

Sonntag, 25.08.2019 | 10:08 Uhr

Der FCS mutiert weiter zum Lieblingsgegner der Underdogs. Dem Aufsteiger FC Stade Lausanne Ouchy verhelfen die Schaffhauser den ersten Challenge League-Sieg in dessen Historie.

«Wir haben Geschichte geschrieben», jubelt SLO-Trainer Andrea Binotto in den Katakomben und geniesst zugleich den Moment, dass er der Schaffhauser Presse Red und Antwort stehen darf. Was der «Professor» in den letzten Jahren mit dem Quartierverein erreicht hat, klingt in der Tat fast wie ein Märchen. Nicht ganz zu vergleichen, wie es Vorgänger Le Mont-sur-Lausanne erlebt hat, eigentlich ist es vielmehr wie eine Auferstehung eines tot geglaubten Vereins, der schon zweimal aufgelöst worden ist und nach seiner Erstgründung 1895 als FC La Villa Ouchy nach 124 Jahren doch wieder in den Annalen des Schweizer Fussballs Einklang findet. Immerhin waren die Lausanner Gründungsmitglied des heutigen SFV. Seit 2013 jagen «Les Lions» einen Kontrahenten nach dem anderen und erklimmen während den letzten Saisons kontinuierlich jeweils einen Schlussrang, der die Aufstiegsträume wahrmachen. Frühere prominente Teams wie Vevey, Carouge, Bellinzona, Yverdon und Nyonnais liess SLO spielend hinter sich und grüssen nun als 100. Verein seit 1944 in der zweithöchsten Liga, der heutigen Challenge League. Und der 24. August 2019 wird ebenfalls einen Eintrag in dessen Historie erhalten, denn an diesem Datum holt Ouchy den ersten Sieg überhaupt - und das noch 277km von zuhause entfernt. Es sei dem BCL-Neuling auf jeden Fall gegönnt.


FCS behagt die Favoritenrolle nicht

Bedauerlicherweise liegt daran ein kleiner Haken. Denn der FC Schaffhausen ist der Leidtragende dieser Geschichte. Das Wellenbad der Gefühle nach dem Sieg bei den Grasshoppers und der Blamage im Cup gegen Linth 04 hat zur Folge, dass eine Reaktion seitens des Teams gefordert ist. Dass die Aufgabe nicht einfach werden würde, war nur schon von der Konstellation her voraussehbar, denn der FC Schaffhausen hat in seiner Historie schon immer seine liebe Mühe mit Aufsteiger und Tabellenletzten. Und just in diesem Moment gastiert Stade LS Ouchy im LIPO Park. Wie ein klarer Favorit - wie es auf dem Papier eigentlich wäre - aufzutreten, behagte den Munotstädtern auch in dieser Neuauflage nicht.



Harmloser erster Durchgang

Zwar gelang dem FCS in der Startphase einige Anläufe, die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abend machten, doch schon bald spürte man eine gewisse Ratlosigkeit des Durchkommens, da sich der Gast aus Lausanne hauptsächlich aufs Verteidigen in der eigenen Zone beschränkte. Da taktisch beide Teams defensiv eingestuft waren, blieben attraktive Spielszenen nahezu aus. Weder die Schaffhauser, noch die Waadtländer konnten irgendein Feuer entfachen, zu harmlos blieben die Aktivitäten der Spieler. Bezeichnend dafür war auch, dass es 25 Minuten dauerte, bis Karim Gazzetta einen ersten Distanzschuss seitens der Lausanner wagte. Es war in der 39. Minute wieder der ehemalige Servettien und Winterthur-Akteur, der FCS-Keeper Calvin Heim zur Prüfung einlud, nachdem Danilo Del Toro seinen Abschluss in der Aktion zuvor knapp übers Tor segeln sah. Übrigens kam Heim zum Einsatz, da Stammhüter Amir Saipi infolge Kniebeschwerden geschont wurde und auf der Bank Platz nahm.

Delley schreibt für SLO Geschichte

Der Lattenknaller von Yanis Lahiouel in der 55. Minute aus dem Nichts war für SLO wie ein Weckruf. Vor allem der Gästestürmer kam in der Folge immer wieder zu verheissungsvollen Aktionen. Zuerst hämmerte er zwei Minuten später den Ball knapp über das Gehäuse, danach legte er alleinstehend vor Heim auf den mitgelaufenen Gazzetta auf, der jedoch über das Leder stolperte. In der 64. Minute kam wieder Lahiouel zum Abschluss und wiederum nur eine Minute später verhinderte Captain Imran Bunjaku auf der Linie den Torerfolg des Gästestürmers. Einen solchen Exploit wie Lahiouel legte keiner der Offensivakteure der Schaffhauser zutage. Uran Bislimi versuchte sich nach einem sehenswerten Hakenpass von Del Toro, doch die Kugel kullerte am Tor vorbei. So verstrich die Schlussphase ohne Aufbäumen, ohne Schlussfeuerwerk, das torlose Unentschieden schon in Sichtweite. Doch in der 90. Minute zelebrierte SLO eine gelungene Ballstafette von Dylan Tavares ganz links bis zum vergessenen Marco Delley, rechts aussen herkommend von der Strafraumgrenze aus den goldenen Treffer markierte. Der FCS, in der Schockstarre, konnte darauf nicht mehr reagieren und hatte zudem grossen Dusel, dass Delley nur Sekunden später nicht noch zum zweiten Mal reüssierte. Und so erlebte auch der vierte Lausanne Stadtverein (nebst Lausanne-Sport, Malley und Le Mont) das Gefühl, wie ein Sieg gegen den FCS schmeckt. Dieser dürfte, verbunden mit dem ersten Sieg überhaupt in der Challenge League, besonders deliziös sein.


Der Kampf gegen Chiasso annehmen

Umso bitterer ist diese Niederlage für den FCS, der den Vorteil des GC-Sieges fürs Erste verpufft hat und anstatt aus den Top 4 momentan vom sechsten Rang grüsst. Etwas tröstlich ist, dass auch in dieser Saison alle Teams - abgesehen vom unangefochtenen Leader Lausanne-Sport - nah beieinander liegen. Dennoch erhofft man sich im nächsten Spiel ein Team, welches mit Leidenschaft ans Werk geht und um jeden Millimeter kämpft. Kampfbereitschaft ist beim nächsten Gegner besonders gefragt, gastiert am kommenden Samstag der berüchtigt hartnäckige FC Chiasso 1905 im LIPO Park. Dieser ist - Sie ahnen es - derzeit Tabellenletzter. Nur schon dieses Nord-Süd-Derby mit seinen unzähligen Geschichten ist ein Besuch im Stadion wert und weil der FC Schaffhausen gewillt ist auf dem Platz gegen die Tessiner Zähne zu zeigen und an die Grenzen zu gehen, sind alle Fans angehalten, dem Team vor Ort lautstark den Rücken zu stärken.


Telegramm

FC Schaffhausen - FC Stade Lausanne Ouchy 0:1 (0:0)

LIPO Park - 1221 Zuschauer - SR: Anojen Kanagasingam

Tor: 90. Delley 0:1.

Schaffhausen: Heim; Paulinho, Müller, Bunjaku, Gönitzer (68. Qollaku); Missi Mezu (67. Tranquilli), Bislimi (73. Casciato), Coulibaly, Del Toro; Sessolo; Zé Turbo (46. Vitija).

Stade LS Ouchy: Barroca; Danner, Manière, Le Pogam, Tavares; Laugeois, Gaillard; Parapar (74. Oussou), Gazzetta (62. Amdouni), Ndongo (78. Delley); Lahiouel (91. Dalvand).

Bemerkungen: Schaffhausen ohne Nikci, Dindamba (beide verletzt), Cooper (rekonvaleszent), Djordjevic, Rether, Barry und Delli Carri (alle nicht im Aufgebot). - 11. Tor von Coulibaly wegen Offside aberkannt. 55. Lattenschuss Laugeois. 65. Bunjaku rettet auf Torlinie.

Verwarnungen: 43. Bislimi (Foul), 66. Missi Mezu (Foul), 83. Lahiouel (Unsportlichkeit), 89. Tranquilli (Foul).

Niederlage in letzter Minute

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Stade Lausanne-Ouchy
Saturday, 24.08.2019 | 19:00 Uhr
LIPO Park, Schaffhausen

Resultat: 0:1 (0:0)

Zuschauer: 1221

Torschützen

90' Delley 0:1

Karten

43' Bislimi
66' Missi Mezu
83' Lahiouel
89' Tranquilli

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