Der Patron ist auf Reisen gegangen

Montag, 21.01.2019 | 09:01 Uhr

Über 27 Jahre lang ist er die prägende Figur beim FC Schaffhausen. Nun hat Verwaltungsratspräsident Aniello Fontana den schweren Kampf gegen seine Krankheit verloren und ist am Sonntagabend im Alter von 71 Jahren verschieden.


In den letzten Wochen und Monaten sah sich Aniello Fontana immer wieder gezwungen, seine heimtückische Tumorerkrankung stationär im Kantonsspital Schaffhausen behandeln zu lassen. Ging es ihm den Umständen entsprechend gut, verweilte er entweder in seinem Zuhause in Neunkirch oder in seinem erschaffenen Denkmal, dem LIPO Park Schaffhausen, das Prunkstück für den FC Schaffhausen. "Irgendwann werde ich nicht mehr hier sein, aber dem Verein und den Fans möchte ich mit dem Stadion etwas Nachhaltiges hinterlassen, damit der FC Schaffhausen auch in Zukunft eine attraktive Adresse im Schweizer Fussball ist", erklärte Aniello, als er den Durchbruch schaffte und der Spatenstich zum neuen Stadion im Herblingertal im August 2015 realisiert wurde. Seine Vision wurde Tatsache, nachdem er und seine Vertrauen jahrelang um eine neue Heimstätte für den Stadtclub Nummer 1 kämpfte. Teils blies ihm rauer Wind entgegen, doch der nahm diese Hürde an und meisterte sämtliche Hindernisse mit Bravour und Souveränität. Im Februar 2017 war Aniello mitten in der Eröffnungszeremonie dabei, als der LIPO Park - mit dem 2:1-Rivalensieg gegen den FC Winterthur vor fast 8000 Zuschauern - eine erfolgreiche Premiere feierte. "Dass ich das noch erleben darf, bedeutet mir so viel", strahlte der Patron damals über beide Ohren. Nicht nur die packenden Derbies, sondern einige Highlights mehr sah Fontana von seiner Lounge aus: Der furiose Saisonstart 2017/18 mit sechs Siegen in Folge unter der Trainerikone Murat Yakin, die äusserst erfolgreichen Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft gegen Weissrussland, Schottland und Europameister Holland und natürlich der Cupknüller gegen den amitierenden Schweizer Meister BSC Young Boys aus Bern zierten sein persönliches Palmarès.

FCS aus eigener Tasche saniert

Aniello Fontana machte keinen Hehl daraus, den Verein einem seriösen Investor zu verkaufen. Leider reichte ihm die Zeit nicht mehr, um dies ebenfalls zu bewerkstelligen. Dies sah 1991 noch ganz anders aus, als er den ehemaligen Präsidenten John Kaiser ablöste und sich einem gewaltigen Schuldenberg gegenüber konfrontiert sah. Doch mit unermüdlicher Arbeit und dem Einfliessen von unzähligen Beträgen in insgesamt zweistelliger Millionenhöhe schaffte es Fontana, dass der FC Schaffhausen nie von der Bildfläche des Schweizer Profifussballs verschwand. Mit Heinz Bigler schafften es die Gelb-Schwarzen 1994 in den Schweizer Cupfinal, unter Trainer Jürgen Seeberger gelang dem FCS 2003 gar der Aufstieg in die neue Super League, dies für insgesamt drei Spielzeiten. Und unter Maurizio Jacobacci fanden die Munotstädter den schnellstmöglichen Weg zurück in die Challenge League, nachdem sie 2011 in die 1. Liga abstiegen, und kratzten 2013/14 erneut an der Türe zur höchsten Liga. Auch heuer gilt der FC Schaffhausen als einer der Aufstiegsanwärter, was nicht zuletzt auch der Verdienst von Aniello Fontana ist. "Was ich mir noch wünschen würde? Gerne möchte ich im Stadion ein Livekonzert erleben", schwälgte der gebürtige Italiener, der im Alter von 9 Jahren in die Schweiz kam und sich 1980 als Immobilienmakler selbständig machte, in seinen Träumen. Doch dieser letzte Traum blieb ihm nun leider verwehrt. Dennoch darf jede Person, die sich gegenüber dem FC Schaffhausen sympathisiert, stolz auf all das sein, was Aniello Fontana in den über 27 Jahren auf die Beine gestellt hat.

Prägende Figur im Schweizer Fussball

Nicht nur für den FC Schaffhausen hat Fontana vieles geschaffen. Ebenso hat er die Interessen im Komitee der Swiss Football League vertreten und war Delegierter der Schweizer Junioren-Nationalmannschaften. Dank seiner Leidenschaft prägte er den Schweizer Fussball immens, sodass Spieler und Trainer mit klingenden Namen immer wieder den Weg in die Nordostschweiz fanden. Nicht des Gehaltes wegen, sondern vor allem auch aus Prestigegründen, aus Verbundenheit oder Freundschaft. Aniello Fontana wird zweifelsohne eine riesige Lücke hinterlassen, die nur schwer wieder zu füllen ist. Aniello hinterlässt nebst seiner Frau Agnes seine drei erwachsenen Kinder Andrea, Diana und Fabio und neun Enkel.

Im Namen des FC Schaffhausen kondolieren wir aus tiefstem Herzen und wünschen allen Angehörigen, Freunden und Bekannten viel Kraft und Energie in diesen schweren Tagen. Der Verein wird in den kommenden Tagen betreffend der Trauerfeier kommunizieren.

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