In zweiter Hälfte den FC Aarau überfahren

Sonntag, 29.10.2017 | 12:10 Uhr

Zwei Gesichter präsentierte der FC Schaffhausen im Duell gegen den FC Aarau. Nach einer schwachen ersten Hälfte drehten die Munotstädter die Partie nach einer unglaublichen Leistungssteigerung und besiegte den Ligakonkurrenten gleich mit 4:1. 

Beim Pausenpfiff des Schiedsrichters Luca Gut schwebte Ratlosigkeit durch den LIPO Park. Zu sehen bekamen die Fans Magerkost mit zwei Mannschaften, die wenig zur Unterhaltung beigetragen hatten. Allerdings war der FC Aarau im Vorteil, gingen sie mit der ersten Chance sogleich in Führung. Mit dem Eröffnungs-Eckball zirkelte Gianluca Frontino das Leder zwischen Nejc Mevlja und André Gonçalves durch direkt auf den rechten Fuss von Stéphane Besle, der den Ball via linken Innenpfosten in die Maschen lenkte. Gespielt waren noch nicht mal vier Minuten. Allerdings schaffte es der Gastgeber nicht, das Zepter an sich zu reissen und die Aarauer in Verlegenheit zu bringen. Diese standen kompakt und liessen die Munotstädter gar nicht erst ins Spiel kommen, derweil auch die Gäste die Offensivbemühungen einstellten. Nicht zuletzt, weil die FCS-Abwehr eine sattelfest souveräne Leistung abrief. Ohne Emotionen, Kampfeswillen beider Teams und teilweise ohne Offensivstrategie verstrich die erste Hälfte. Es schien, als wäre keine Mannschaft in der Lage nur annähernd Torgefahr oder Spannung in die Partie zu bringen. Kaum vorstellbar, dass der zweite Durchgang einen völlig anderen Verlauf nahm.

Doppelschlag brachte Wende

Auch der Beginn der zweiten Halbzeit ging beinahe ins Auge. Nachdem Gilles Yapi ein vorangegangenes Zusammenspiel zwischen Audino und Frontino über das Gehäuse ballerte, kam Rossini eine Minute später zum Ball und leitete diesen zum vermeintlichen 2:0 ins Tor. Allerdings sah der Schiedsrichterassistent eine Offsideposition des ehemaligen Schaffhauser Topscorers, die wohl knapper nicht hätte sein können. Offenbar war dies der Weckruf für die Schaffhauser, die durch Luca Tranquilli erstmals gefährlich vor dem gegnerischen Tor auftauchten. Dessen wuchtiger Schuss prallte allerdings beim Gegner ab. Dafür klappte es beim nächsten Versuch. Eine schöne Kombination über Yassin Mikari auf Tranquilli, der wunderschön per Hacke auf Paulinho weiterleitete, sorgte für Alarmstufe Rot bei Aarau. Dessen Hereingabe schob Hélios Sessolo eiskalt zum 1:1 ein. Und wie schon im letzten Heimspiel gegen den FC Wohlen legte der FCS gleich nach. Sessolo schnappte dem überforderten Mats Hammerich den Ball von den Füssen, sprintete in Richtung Gefahrenzone los und legte zu Tunahan Cicek auf, der mit einem Flachschuss seinen achten Saisontreffer realisierte. Inzwischen brach das Aarauer Gerüst völlig in sich zusammen; einzig Rossini kam nach 80 Minuten zu einer verheissungsvollen Möglichkeit, das Score wieder zu egalisieren. Doch FCS-Keeper Dorde Nikolic sicherte mit einer Hechteinlage die nahe Torecke ab.

Fioravanti kam, zauberte und traf

Anschliessend durfte Gui Fioravanti für Tranquilli aufs Feld. Er absolvierte seine ersten zehn Minuten in einer Ligapartie der aktuellen Saison und beendete eine unglaublich lange Durststrecke seit seinem Kreuzbandriss im Sommer 2016. Und der 26-jährige sprühte regelrecht vor Spielfreude, beginnend mit einem Lupfer über einen Gegner, dessen Kunstpass einen Abnehmer fand. Gekrönt hatte sich der Portugiese mit brasilianischen Wurzeln mit einem sehenswerten Treffer nach einem Einwurf von Mikari. Fioravanti tänzelte ex-FCS-Verteidiger Pascal Thrier aus und verwertete aus spitzem Winkel zur 3:1 Entscheidung. Das Supplement sparte sich der FCS bis ganz zum Schluss auf. Ein langes Zuspiel stoppte Karim Barry mit dem Rücken und liess mit einer Drehung Marco Thaler aussteigen und bediente Mikari, der Igor Nganga abschüttelte und mit einem Solo Aaraus Hüter Deana zum 4:1 Schlussstand bezwang. Mit diesem überraschend deutlichen Sieg schliesst der FCS wieder zu Leader Neuchâtel Xamax FCS auf, der allerdings aufgrund der mittlerweile besseren Tordifferenz auf dem ersten Platz liegt. Allerdings: Verlieren die Neuenburger heute und Servette FC am Montag, wären die Schaffhauser wieder Leader. Daher dürfen die Munotstädter heute und morgen auch ein bisschen Wohlen- und Wil-Fan sein.

Telegramm

FC Schaffhausen - FC Aarau 4:1 (0:1)
LIPO Park - 1436 Zuschauer - SR: Luca Gut.
Tore: 4. Besle 0:1, 54. Sessolo 1:1, 58. Cicek 2:1, 91. Fioravanti 3:1, 94. Mikari 4:1.
Schaffhausen: Nikolic; Gonçalves, Rhyner, Mevlja; Lika; Paulinho, Tranquilli (80. Fioravanti), Del Toro, Mikari; Cicek (86. Dangubic), Sessolo (70. Barry).
Aarau: Deana; Nganga, Besle, Thaler, Thrier; Yapi, Hammerich (74. Siegfried); Tasar (66. Mehidic), Frontino, Audino (66. Ciarrocchi); Rossini.
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Bunjaku (gesperrt), Gül, Castroman, Loosli (alle verletzt) und Matic (nicht im Aufgebot). Aarau ohne Perrier (gesperrt), Jäckle, Garat, Misic, Cani, Peralta (alle verletzt), Joos, Corradi und Itaperuna (alle nicht im Aufgebot). - 48. Tor von Rossini wegen Offside aberkannt.
Verwarnungen: 66. Hammerich (Foul), 69. Del Toro (Unsportlichkeit), 69. Besle (Unsportlichkeit), 74. Thaler (Foul), 90. Frontino (Foul).

In zweiter Hälfte den FC Aarau überfahren

Telegramm

FC Schaffhausen
FC Aarau
Saturday, 28.10.2017 | 19:00 Uhr
LIPO Park, Schaffhausen

Resultat: 4:1 (0:1)

Zuschauer: 1436

Torschützen

4' Stéphane Besle 0:1
54' Hélios Sessolo 1:1
58' Tunahan Cicek 2:1
91' Gui Fioravanti 3:1
94' Yassin Mikari 4:1

Karten

66' Mats Hammerich (Foul)
69' Danilo Del Toro (Unsportlichkeit)
69' Stéphane Besle (Unsportlichkeit)
74' Marco Thaler (Foul)
90' Gianluca Frontino (Foul)

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