Reise in den Süden ohne Ertrag

Sonntag, 22.10.2017 | 06:10 Uhr

Harter Schlag für den FC Schaffhausen. Weil die Munotstädter beim FC Chiasso 1905 mit 1:2 verloren haben, während die direkte Konkurrenz weiter siegt, findet sich der FCS nur noch auf dem dritten Rang wieder. 

Volksfeststimmung im Stadio Comunale Riva IV vor bescheidener Kulisse. Mit der Pet Shop Boys-Version von «Go West» in der Dauerschlaufe sind die in die Jahre gekommenen Lautsprecher derart überbeschallt worden, dass sie beinahe vom Tribünendach heruntergefallen sind. Möglicherweise ist der geringe Zuschaueraufmarsch damit zu verbinden, weil in Mendrisio zugleich das feutcht-fröhliche Oktoberfest stattfindet. «Ein Bierchen wird der Mannschaft heute wahrlich gegönnt sein, aber zum Fest gehen wir nicht, weil wir morgen schon wieder trainieren», bleibt Zoran Josipovic bescheiden. Zuletzt haben die Rosso-Blú gegen dessen ex-Verein FC Aarau einen Dreier einfahren können, die letzten drei Spiele hingegen sind ohne Erfolg geblieben. «Wir haben immer gut gespielt, aber unsere Chancen vor dem gegnerischen Tor nicht genutzt und sind dafür immer wieder bestraft worden», erzählt Josipovic. Immerhin hiessen die Gegner Vaduz, Servette und Xamax. Und zu guter Letzt folgt der Langzeit-Leader FC Schaffhausen sowie die spezielle Komponente, dass der Grossvater des Trainer Guillermo Abascal gerade verstorben ist und die Mannschaft ihren spanischen Chef in Form eines Sieges Trost spenden wollen. Sowohl Josipovic wie auch Schaffhausens Karim Barry sind sich nach der Partie einig: «Chiasso wollte den Sieg mehr, waren konsequenter und immer einen Schritt voraus», sind die Schlagworte daraus gewesen.

Penaltyglück nach Schwingeinlage

Schon die Meldung vom Freitagabend setzte einige Akteure wohl etwas unter Druck, als der direkte Verfolger Neuchâtel Xamax FCS im Ländle den FC Vaduz mit 5:0 demütigte. Der Beginn hingegen war aus Schaffhauser Sicht gar vielversprechend, als Hélios Sessolo seinem Gegenspieler Kenan Fatkic den Ball von dessen Fuss nahm und gleich Tunahan Cicek zuspielte. Dieser drehte sich einmal um seine Achse und zwang Chiasso-Keeper Anthony Mossi zu einer ersten Glanztat. Danach verlagerte sich das Spielgeschehen ins Mittelfeld, woraus der Gastgeber vermehrt einige Vorstösse erarbeiten konnte. Hauptakteur dabei war der maltesische Stürmer Jean-Paul Farrugia, der permanent die Innenverteidiger beschäftigte. Zudem trug sein Bodycheck in der 13. Minute dazu bei, dass Bujar Lika nach einer halben Stunde mit Verdacht auf eine Rippenverletzung ausschied. Schon beim Gastspiel gegen den FC Wil 1900 vor einem Monat erlitt Lika eine Gehirnerschütterung und musste zwei Wochen pausieren. Grosses Glück hatte der FCS nach 20 Minuten, als Nejc Mevlja bei einem Eckball Chiassos seinen Gegenspieler Zoran Josipovic mit einer Schwingeinlage umwarf und dafür mit Gelb und einem Penalty abgestraft wurde. Carte Said versuchte sich mit einem Paneka-Elfmeter, der allerdings gründlich misslang. Der Ball hüpfte auf die Hinterkante der Latte und bescherte FCS-Hüter Dorde Nikolic ausser etwas Herzklopfen keine weiteren Probleme.

Moussa Soumaré mit Entscheidung

Carte Said, nach wie vor des vergeigten Penaltys etwas mental angeschlagen, verstolperte kurz darauf das Leder zu Imran Bunjaku, der mit seiner Weiterleitung an Cicek eine der raren Schaffhauser Möglichkeiten lancierte. Dafür war Bruno Martignoni hellwach und konnte im letzten Moment Schlimmeres verhindern. In der 27. Minute schickte Farrugia Fatkic auf die Reise. Dieser drängte sich mitten durch das zentrale Getümmel und rammte den Ball mittels einer «Spitzguge» zur 1:0-Führung in die Maschen. Die Munotstädter fanden auf dem tiefen Boden kein Rezept, um den Kontrahenten in die Knie zu zwingen. «Dabei haben wir noch im Breitestadion trainiert, um uns an die Begebenheiten zu gewöhnen», meint Trainer Boris Smiljanic. Zu allem Übel wurde dem FCS auch noch einen Elfmeter unterschlagen, als Martignoni im eigenen Sechzehner bei Sessolo den Textiltest durchführte. Nichts desto trotz bewies der FC Chiasso, dass er bislang unter seinem Wert geschlagen wurde, und hatte keine Mühe das Spieldiktat an sich zu reissen. So kam Moussa Soumaré nur drei Minuten nach seiner Einwechslung in den Genuss, für die Vorentscheidung zu sorgen. Einen Farrugia-Schuss blockte Nikolic noch ab, der Nachschuss des 20-jährigen Maliers fand keine Gegenwehr mehr: 2:0.

Bewährungsprobe gegen Aarau

Immerhin brachte Luca Tranquilli in der zweiten Hälfte viel Schwung in die Partie, der für nahezu alle Torchancen zuständig war. Zweimal gingen seine Abschlüsse haarscharf am Pfosten vorbei. Erst unmittelbar vor dem Schlusspfiff wollte dem 24-Jährigen der Anschlusstreffer gelingen. Danach beendete Ref Horisberger eine mittlerweile zerfahrene Partie, die während den letzten Minuten vor allem durch Rudelbildungen und theatralische Einlagen geprägt waren. Viele Emotionen wird es auch in den beiden darauffolgenden Spielen geben, wenn der FCS den FC Aarau und den neuen Leader Neuchâtel Xamax FCS im LIPO Park empfängt. Gegen Frontino, Rossini, Thrier und Co. wird jedoch Imran Bunjaku nicht antreten können, weil er gegen Chiasso seine vierte Verwarnung in dieser Saison kassiert hat. Nach dieser Niederlage hat der FCS nicht nur seine Leaderposition erstmals verlassen, sondern auch gleich Servette FC an sich vorbeiziehen lassen müssen, da die Grenats Aufsteiger FC Rapperswil-Jona mit 2:1 besiegt haben. Neu auf dem dritten Rang eingereiht, wird das kommende Spiel zur Bewährungsprobe für die Akteure, wie Smiljanic prophezeit: «Es wird nicht nur gegen Aarau eine Schlacht geben, sondern bereits schon im Training», will der Trainer nämlich, dass sich das Team auf dem Platz zerreisst. So wie das Josipovic beschreibt, wie es ist in Chiasso zu spielen: «Wir gehen immer mit der Einstellung in die Partie, als sei es unser letztes Spiel und geben einfach Vollgas.»  Die Hoffnung besteht, dass die Mannschaft dies am kommenden Samstag ebenfalls umsetzt.

Telegramm

FC Chiasso 1905 - FC Schaffhausen 2:1 (1:0)
Comunale Riva IV - 450 Zuschauer - SR: Stefan Horisberger
Tore: 27. Fatkic 1:0, 66. Soumaré 2:0, 95. Tranquilli 2:1.
Chiasso: Mossi; Delli Carri, Abedini, Martignoni; Krasniqi, Fatkic (83. Charlier), Rey, Bellometti; Josipovic, Carte Said (63. Soumaré); Farrugia (73. Monighetti).
Schaffhausen: Nikolic; Loosli, Rhyner, Mevlja; Paulinho, Lika, (32. Gonçalves), Bunjaku, Mikari; Castroman (46. Tranquilli); Cicek, Sessolo (73. Barry).
Bemerkungen: Chiasso ohne Urbano (gesperrt), Russo, Nilovic (beide verletzt), Selmanaj, Hamadi, Vergine, Cvetkovic, Padula und Bilinovac. Schaffhausen ohne Gül (verletzt), Grasseler, Matic, Vannuca und Demhasaj (alle nicht im Aufgebot). - 21. Carte Said verschiesst Foulpenalty. 30. Lika mit Verdacht auf Rippenprellung ausgeschieden.
Verwarnungen: 19. Mevlja (Foul), 38. Sessolo (Reklamieren), 52. Carte Said (Foul), 68. Belometti (Foul), 88. Bunjaku (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 89. Josipovic (Unsportlichkeit), 90. Paulinho (Unsportlichkeit).

Reise in den Süden ohne Ertrag

Telegramm

FC Chiasso 1905
FC Schaffhausen
Saturday, 21.10.2017 | 19:00 Uhr
Stadio Comunale “Riva IV”, Chiasso

Resultat: 2:1 (1:0)

Zuschauer: 450

Torschützen

27' Kenan Fatkic 1:0
66' Moussa Soumaré 2:0
95' Luca Tranquilli 2:1

Karten

19' Nejc Mevlja (Foul)
38' Hélios Sessolo (Reklamieren)
52' Carte Said (Foul)
68' Simone Belometti (Foul)
88' Imran Bunjaku (Foul, im nächsten Spiel gesperrt)
89' Zoran Josipovic (Unsportlichkeit)
90' Paulinho (Unsportlichkeit)

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