Dank Ciceks Schlussbouquet Partie gedreht

Dienstag, 26.09.2017 | 04:09 Uhr

Wechselbad der Gefühle: Nach einem Penaltygeschenk dreht Wil die Partie, ehe Tunahan Cicek mit einem Doppelschlag das Regionalderby entschiedet.

Kaum zu glauben, dass aus einem taktisch geprägten Spiel mit wenigen Offensivszenen am Schluss ein Derby mit Hitchcock-Charakter entstanden ist. Grossen Anteil daran hatte der Tessiner Schiedsrichter Luca Gut, der bei einem harmlosen Zweikampf im Wiler Strafraum plötzlich auf den Elfmeterpunkt zeigte. Ein krasser Fehlentscheid, wie sich herausstellte, allerdings schaffte es der Arbitrierende, eine bislang lahme und zähflüssige Partie zum Leben zu erwecken. Während der Gastgeber auch nach Spielschluss im Kollektiv über Guts Blackout fluchte, strahlten die Schaffhauser um die Wette. Bezeichnend eine Szene in den Katakomben, als Basil Stillhart gegenüber dem BLICK vehement beteuerte, dass seine Intervention gegen Hélios Sessolo nicht penaltywürdig war und gleich nebenan Tunahan Cicek dessen Emotionen dem Lokalsender Radio Munot in Worte versuchte zu umfassen, nachdem dieser binnen 92 Sekunden die drohende Niederlage in der Schlussphase noch in einen Sieg ummünzte.

Erste Halbzeit zum Vergessen

Dabei deutete fast eine Stunde lang nichts darauf hin, dass die 67. Austragung dieses Regionalderbys eine Dramaturgie beinhaltete, die beiden Fanlager Herzklopfen bescherten. Abgesehen von Caine Kellers Abschluss nach einer halben Stunde und Miguel Castromans Schuss sechs Minuten später waren Torraumszenen Mangelware. Einerseits, weil der Abwehrriegel des FC Schaffhausen wieder zur gewohnten Stärke zurückgefunden hat und praktisch jeden der unzähligen Wiler Vorstösse im Keim ersticken liess, ohne je Gefahr zu laufen, irgendetwas anbrennen zu lassen. Andererseits blieb die Offensive vieles schuldig, war nämlich in der Offensivbewegung  mehrheitlich im Tauchgang und deshalb nicht sichtbar. Erst als Bujar Lika, der kurz nach Anpfiff bei einem Kopfballversuch mit einem gegnerischen Spieler zusammenprallte und schliesslich nach 55 Minuten mit Verdacht auf eine Hirnerschütterung ausschied, durch Nejc Mevlja ersetzt wurde, dieser den Platz von André Luis Neitzke einnahm und der Captain auf Likas Sechserposition vorrückte, nahm das Derby Fahrt auf.

Fragwürdiger Elfmeter gab Wil Mut

Neitzke lancierte in der folgenden Aktion Tunahan Cicek, der sich durch die Wiler Abwehr tänzelte und das Leder auf des Gegners Gehäuse hämmerte. Noah Baumann wehrte das Geschoss ab, worauf Sessolo und Stillhart den Ball fünf Meter vor dem Tor erobern wollten. Obschon der Schaffhauser in den Knöchel des gebürtigen Sirnachers reinrutschte, entschied sich Schiedsrichter Gut auf Elfmeter für die Munotstädter. Den rund dreiminütigen Proteste des Gastgebers erfolgte keine Gnade des Referees, worauf Yassin Mikari den Strafstoss eiskalt in die obere Mitte verwertete. «Diese Fehlentscheidung hat uns Kraft gegeben», verriet Johan Vonlanthen nach der Partie. Denn der FC Wil übernahm fortan das Zepter und glich postwendend aus. Kenzo Schällibaum bediente Vonlanthen, der mit links abzog und Dorde Nikolic bezwang. In der 69. Minute hätten die Ostschweizer durch einen guten Schuss von Zé Eduardo die Führung erzielt, doch der FCS-Keeper rettete mit einem Big Save. Besser machte es der Brasilianer sechs Zeigerumdrehungen später, als das 2:1 doch noch Tatsache wurde.

Neitzkes scharfes Auge

Als die Schlussphase mit einem offenen Schlagabtausch eingeläutet wurde, bewies vor allem Neitzke Übersicht. Mit einem flachen Zuspiel direkt auf Cicek übertölpelte der Italo-Brasilianer die gesamte Wiler Abwehr, sodass sein Stürmerkollege problemlos auch noch Goalie Baumann vernaschte und den Ausgleich markierte. Nur 92 Sekunden später bediente der Captain erneut Cicek, dieses Mal mit einem hohen Pass in die Tiefe. Und wieder konnte dieser triumphieren - 3:2 für den FCS. In der Folge warf der Gastgeber alles nach vorne, was den Gelb-Schwarzen Konter ermöglichte. So verpasste der eingewechselte Danilo Del Toro den vierten Treffer, als er seinen Schuss am Pfosten abprallen sah. Der Nachschuss setzte Marko Dangubic ebenfalls an das Gestänge. Mit der allerletzten Aktion hätte erneut Del Toro das sichere 4:2 auf dem Fuss gehabt.

Vor der Natipause noch Rapperswil-Jona

Bereits am kommenden Samstag ist der FC Schaffhausen, der nach dem Sieg in Wil weiterhin von der Tabellenspitze grüsst, zu Gast beim Aufsteiger FC Rapperswil-Jona. Gegen die Rosenstädter sind die Schaffhauser vor der sechsten Partie der Vereinsgeschichte nach wie vor ungeschlagen. Zum diesjährigen Meisterschaftsauftakt deklassierte der FCS die St. Galler gleich mit 6:0 und holten den insgesamt vierten Sieg. Währen der Saison 2011/12, als sich die beiden Teams erstmals in derselben Liga begegneten, erreichte Rapperswil-Jona ein spektakuläres 4:4. Nach der Partie im Stadion Grünfeld steht eine Pause an, da die letzten beiden Qualifikationsrunden zur WM-Endrunde auf dem Programm stehen.

Telegramm

FC Wil 1900 - FC Schaffhausen 2:3 (0:0)
IGP Arena - 920 Zuschauer - SR: Luca Gut
Tore: 59. Mikari (Foulpenalty) 0:1, 63. Vonlanthen 1:1, 75. Zé Eduardo 2:1, 83. Cicek 2:2, 84. Cicek 2:3
Wil: Baumann; Gonçalves, Stillhart, Muslin, Schällibaum; Scholz; Latifi (85. Korkmaz), Zé Eduardo; Kucani, Vonlanthen (84. Cortelezzi), Keller (82. Maroufi).
Schaffhausen: Nikolic; Loosli, Neitzke, Rhyner; Paulinho, Lika (55. Mevlja), Bunjaku, Mikari (82. Del Toro); Castroman; Cicek, Sessolo (69. Dangubic).
Bemerkungen: Wil ohne Lekaj (gesperrt), Ilazi, Lombardi, Sacirovic und Huber (alle verletzt).Schaffhausen ohne Matic, Gül (beide verletzt), Grasseler, Fioravanti, Vannuca und Demhasaj (alle nicht im Aufgebot). - 55. Lika mit Verdacht auf leichter Hirnerschütterung ausgeschieden. - 91. Pfostenschuss Del Toro, 91. Pfostenschuss Dangubic.
Verwarnungen: 59. Mikari (Unsportlichkeit), 72. Dangubic (Abstand nicht eingehalten), 79. Latifi (Foul), 82. Scholz (Foul), 85. Cicek (Trikotausziehen).

Dank Ciceks Schlussbouquet Partie gedreht

Telegramm

FC Wil 1900
FC Schaffhausen
Monday, 25.09.2017 | 20:00 Uhr
IGP Arena, Wil

Resultat: 2:3 (0:0)

Zuschauer: 920

Torschützen

59' Yassin Mikari (Foulpenalty) 0:1
63' Johan Vonlanthen 1:1
75' Zé Eduardo 2:1
83' Tunahan Cicek 2:2
84' Tunahan Cicek 2:3

Karten

59' Yassin Mikari (Unsportlichkeit /Beim Torjubel Cornerflagge aus der Verankerung geholt)
72' Marko Dangubic (Abstand bei einem Freistoss nicht eingehalten)
79' Enis Latifi (Foul)
82' Étienne Scholz (Foul)
85' Tunahan Cicek (Unsportlichkeit / Trikotausziehen)

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