Mit taktischer Meisterleistung zum Sieg

Samstag, 19.08.2017 | 09:08 Uhr

Der FC Schaffhausen setzt seinen Siegeszug fort. Gegen den direkten Verfolger Neuchâtel Xamax FCS hat Miguel Castroman mit seinem goldenen Treffer dem FCS drei weitere Punkte eingetütet.

Xamax - FCS, dieses Duell hat in der Vergangenheit schon immer für Nervenkitzel und Spektakel gesorgt. Gerade auf der Maladière, wo die Fans nahe am Spielfeldrand angesiedelt sind, schwappen die Emotionen aufgrund des enormen Lärmpegels schnell auf die Akteure über. Sinnbildlich die Personalie Pietro Di Nardo, der in 281 Profispielen schon 95 Verwarnungen kassiert oder in 96 Partien für die Neuenburger schon 35 Mal Gelb gesehen hat. Aufgrund dessen, dass beide Teams einen perfekten Saisonstart hingelegt haben, ist die Brisanz dieser Partie einfach auszurechnen gewesen. Doch die beiden Mannschaften starteten alles andere als bissig, sondern tasteten sich in den ersten Minuten gegenseitig ab, abgesehen von je einem Vorstoss in den ersten Sekunden, wo Bujar Lika für den Gast aus dem Norden und Gaëtan Karlen für die Heimmannschaft je eine erste Duftmarke setzten. So plätscherte das Topspiel der Runde in den ersten 25 Minuten vor sich hin, bis die in violett gekleideten Schaffhauser plötzlich für ein Raunen im rot-schwarzen Rund sorgten. Yassin Mikari spielte einen Einwurf zu Imran Bunjaku, dessen Zuspiel erneut via den Tunesier zu Miguel Castroman fand. Dieser legte auf den freistehenden Lika, der sich ein Herz fasste und einfach mal den Ball aus 18 Metern in Richtung Xamax-Tor abfeuerte und nur den Pfosten traf. Luca Tranquilli erbte das Leder und versuchte gleich nachzulegen, doch Keeper Laurent Walthert wehrte im Stile eines Handballgoalies den Nachschuss ab. Glück für die Neuenburger.

Die taktische Vorgabe Murat Yakins war in erster Linie, dass der FCS kein Gegentor erhalten würde. Diese Aufgabe nahmen die Munotstädter sehr ernst, liessen sie den Neuenburgern keine nennenswerte Torchance zu. Dafür stachen die Nordostschweizer nach 71 Minuten gleich selbst zu. Castroman bediente Sturmkollege Tunahan Cicek, der unmittelbar darauf der YB-Leihgabe den Ball wieder in die Füsse legte, was mit etwas Mithilfe von Xamax-Verteidiger Igor Djuric auch wunderbar klappte. Castroman schob nur noch ein und feierte seinen vierten FCS-Treffer im fünften Spiel ausgiebig vor der enthusiastischen Schaffhauser Kurve. Mit rund 70 Personen waren die Anhänger aus der Munotstadt angereist und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Die Maladière, bei dem 4622 Zuschauer dem Spitzenkampf beiwohnten, brodelte nun, was ein Rencontre zwischen Paulinho und Walthert vor einem weiteren FCS-Corner aufzeigte. Als Schiedsrichter Pascal Erlachner in der Schlussphase zwei brenzlige Strafraumszenen - trotz heftiger Proteste der Neuenburger - als nicht penaltyreif taxierte, war der Sieg in trockenen Tüchern. Castroman erklärte nach dem Spiel, dass der FCS die drei Punkte nicht holte, weil man besser gewesen sei, sondern mit mehr Geduld und ideenreicher spielte und deswegen verdient als Gewinner vom Platz ging. «Wir wussten um die Explosivität auf dem Platz und bewahrten viel Ruhe, was den Gegner hingegen nervös machte.» Mit diesen taktischen Anweisungen bewies der FC Schaffhausen beim derzeit härtesten Widersacher eine Meisterleistung.

Fünf Siege aus den ersten fünf Ligaspielen mit der klaren Tabellenführung, das lässt die FCS-Fans schon mal träumen. Doch FCS-Geschäftsführer und Sportchef Marco Truckenbrod Fontana beschwichtigt: «Bitte bleibt alle auf dem Boden. Es sind noch 31 Spiele zu absolvieren.» Es ist derzeit wohl die schwierigste Aufgabe, die rosigen Aufstiegsprognosen seitens der Sportjournalisten und Supporter zu relativieren, um als Spieler oder Funktionär nicht abzuheben. Und das macht die Mannschaft bislang hervorragend - trotz weisser Weste.

Telegramm

Neuchâtel Xamax FCS – FC Schaffhausen 0:1 (0:0)
Maladière – 4426 Zuschauer: SR: Pascal Erlachner
Tor: 71. Castroman 0:1.
Xamax: Walthert; Gomes, Sejmenovic, Djuric, Kamber; Di Nardo (74. Ramizi); Tréand (79. Mulaj), Corbaz, Doudin, Nuzzolo; Karlen (66. Veloso).
Schaffhausen: Nikolic; Loosli, Neitzke, Mevlja; Paulinho, Lika (77. Dangubic), Bunjaku, Mikari; Tranquilli (85. Gonçalves), Castroman, Cicek (72. Sessolo).
Bemerkungen: Xamax ohne Escolano, Da Costa, Qela (alle verletzt), Farine, Alic, Xhemajli, Kilezi und Nimani (alle nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Grasseler, Matic, Barry (alle verletzt), Gül (rekonvaleszent), Vannuca und Demhasaj (beide nicht im Aufgebot). – 25. Pfostenschuss Lika.
Verwarnungen: 39. Lika (Foul), 90. Nuzzolo (Foul), 92. Dangubic (Foul).

Mit taktischer Meisterleistung zum Sieg

Telegramm

Neuchâtel Xamax FCS
FC Schaffhausen
Friday, 18.08.2017 | 20:00 Uhr
Stade de la Maladière, Neuenburg

Resultat: 0:1 (0:0)

Zuschauer: 4622

Torschützen

71' Miguel Castroman 0:1

Karten

39' Bujar Lika (Foul)
90' Raphaël Nuzzolo (Foul)
92' Marko Dangubic (Foul)

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