Erfolgreichster Saisonstart seit 84 Jahren

Dienstag, 01.08.2017 | 11:08 Uhr

In der noch jungen Saison hat der FCS erneut mit einer eindrücklichen Leistung dem Gegner die Grenzen aufgezeigt. Gleich mit 4:1 besiegen die Munotstädter den FC Wohlen in dessen Heimstätte und behauptet sich weiterhin an der Tabellenspitze. 

Es hätte die Toppartie der zweiten Runde werden sollen. Der FC Wohlen, siegreich im Startspiel gegen den FC Winterthur, war hochmotiviert, dem Favoriten aus der Nordostschweiz ein Bein zu stellen. Die gefährlichste Waffe in den Reihen der Freiämter ist in Schaffhausen bestens bekannt: Igor Tadic, bis zu seinem Kreuzbandriss im Dezember 2015 Torgarant der Munotstädter (38 Tore in 64 Pflichtpartien), der nach seiner Genesung unter Axel Thoma nicht mehr zum Zug kam, fand nun nach seinem Wechsel zu Wohlen wieder zu seiner alten Stärke zurück. Schon gegen die Eulachstädter traf der 31-jährige Stürmer und gleiches vollbrachte Tadic auch gestern gegen seine ehemaligen Teamkollegen. Dies in der einzigen Phase kurz vor dem Halbzeitpfiff, als der Gastgeber seine stärksten Momente präsentierte. Zuerst prüfte in der 39. Minute Alain Schultz den sonst wenig beschäftigten FCS-Keeper Dorde Nikolic, ehe eine Minute später Tadic in seiner gewohnten Manier Noah Loosli umkurvte und das Leder in der nahen Ecke zum 1:2-Anschlusstreffer unterbrachte. Die Aargauer rochen die Lunte und pochten mit einer Druckphase auf den durchaus möglichen Ausgleich, hätten sie ihre Offensivversuche sauber abgeschlossen. Doch die Schaffhauser Defensive liess bis zum Pausentee nichts mehr anbrennen.

Wohlen mit FCS-Tempo überfordert

Dabei wurden die Wohler in der Startphase ob des Tempos der Munotstädter überrascht. Gerade die Ajax-Leihgabe Dragisa Gudelj und Oliver Kleiner auf der linken Seite waren gegen die wirbligen Paulinho und Hélios Sessolo komplett überfordert. Schon nach fünf Minuten hätte der FCS die Führung bewerkstelligen können, als Miguel Castroman einen Freistoss in den Wohler Sechzehner beförderte. Captain André Luis Neitzke leitete den Ball per Kopf in den Fünferraum, als Tadic abzuwehren versuchte und direkt auf Sessolo auflegte, der gleich abzog und den Arm von Dylan Stadelmann traf. Diesen Abpraller nutzte Nejc Mevlja mit einer Bicicletta, doch der ehemalige FCS-Torwart Flamur Tahiraj wehrte mit einer Fussabwehr bravourös ab. Drei Minuten später unterband Christian Zock À Bep einen Angriffsaufbau Sandro Foschinis, der Tunahan Cicek auf die Reise durch das Zentrum schickte. Dieser zog von der Strafraumgrenze ab und liess Tahiraj bei seinem ersten Pflichtspieltor keine Chance. Es war übrigens zudem der erste Scorerpunkt für den Kameruner in den Farben des FCS, der sofort weiterpowerte und sich und seine Kollegen nach 24 Minuten erneut belohnte. Zock stiess erneut in die Offensive vor und bediente abermals Cicek, der Castroman sah und ihm flach zuspielte. Der ehemalige Wohler zog aus elf Metern ab und markierte den zweiten Schaffhauser Treffer.

Drittbeste Tormarke der Vereinsgeschichte

Die Hoffnungen der Freiämter wurden kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit jäh getrübt, waren diese nach Tadic‘ Anschlusstreffer zuerst noch intakt. Neitzke bediente mit einem weiten Zuspiel Castroman, der direkt auf Cicek auflegte. Dieser zog ab und liess dem bedauernswerten Tahiraj abermals keine Chance. Während der Gastgeber mit Marko Bicvic und Kris Kuzmanovic weitere ehemalige Schaffhauser ins Rennen schickte und alles daran setzte, den Anschluss erneut zu schaffen, bewies die Yakin-Truppe eindrücklich, warum der FCS heuer zu den Aufstiegsaspiranten gehören soll. Trotz schwüler Abendwitterung liess er dem Gastgeber keine Möglichkeit zur Entfaltung und betrieb dafür einen entsprechend grossen Aufwand. Einzig Tadic gelang es eine Viertelstunde vor Schluss nochmals gefährlich zu werden. Den Schlusspunkt setzten die Schaffhauser in der 83. Minute, als Mevlja einen Einwurf dem eingewechselten Karim Barry zuspielte. Dieser schoss aus spitzem Winkel, traf dabei nur den Pfosten. Den zurückprallenden Ball lenkte Tahiraj in den Fünferraum, wo nacheinander Danilo Del Toro und Sessolo zum Abschluss gelangen, ehe André Gonçalves per Kopf den letzten Treffer des Abends gelang. Auch in dieser Höhe ein mehr als verdienter Sieg für den FCS, der auch nach zwei Runden von der Tabellenspitze grüsst und bereits schon zehn Tore auf dem Konto hat - ein Novum seit 87 Jahren, als der FCS 1933 in den ersten zwei Spielen elf Tore erzielte. Ähnliches gelang den Munotstädtern in der Saison 1991/92, als nach einem 0:0 im Startspiel beim damaligen FC Chur in den Runden zwei und drei ebenfalls zehn Treffer erzielt wurden. Den absoluten Startrekord mit 14 Goals aus den ersten beiden Partien gelang den Schaffhausern in der Saison 1932/33, als sie zuerst den Brühl St. Gallen 8:0 deklassierten und danach 6:0 den SC Veltheim besiegten.

Cicek macht den Bottani

Eine Anekdote, die auf der Tribüne für ein Schmunzeln sorgte, darf an dieser Stelle nicht vorenthalten werden. Als die Kommunikationsabteilung der Wohler die Startaufstellungen verteilte, erschien beim FCS in der Startelf der ehemalige Lugano- und Wil-Spieler Mattia Bottani anstelle von Tunahan Cicek. Die Schaffhauser hatten nicht etwa in einer Nacht- und Nebelaktion den Tessiner verpflichtet, sondern der Erfasser des Matchblattes übernahm die Vorlage des letzten Heimspiels, als noch in der letzten Saison der FC Wil 1900 zu Gast war. Da übersah dieser schlicht und einfach die Position der Nummer 10. Auch wenn Bottani, der übrigens weiterhin auf Clubsuche ist, möglicherweise ein Gewinn für den FCS wäre, so darf attestiert werden, dass Cicek seine Aufgabe als Stürmer mit zwei Toren und einem Assist überragend umgesetzt hat. Fortsetzung folgt bereits am kommenden Samstag, wenn die Rosso-Blú des FC Chiasso 1905 zu Gast im LIPO Park ist.

Telegramm

FC Wohlen - FC Schaffhausen 1:4 (1:2)
Niedermatten - 1273 Zuschauer - SR: Stefan Horisberger
Tore: 8. Cicek 0:1, 24. Castroman 0:2, 40. Tadic 1:2, 48. Cicek 1:3, 83. Gonçalves 1:4.
Wohlen: Tahiraj; Elvedi, Hajrovic, Gudelj; Stadelmann, Seferi (46. Bicvic), Foschini, Kleiner (84. Aliu); Romano (63. Kuzmanovic), Schultz; Tadic.
Schaffhausen: Nikloic; Loosli, Neitzke, Rhyner; Bunjaku; Paulinho (66. Gonçalves), Zock À Bep, Castroman (72. Del Toro), Mevlja; Cicek (60. Barry), Sessolo.
Bemerkungen: Wohlen ohne Pacar (verletzt) und Cvetkovic (nicht spielberechtigt). Schaffhausen ohne Gül, Mikari, Matic, Grasseler (alle verletzt), Fioravanti und Vannuca (beide nicht im Aufgebot). - 83. Pfostenschuss Barry.
Verwarnungen: 14. Loosli (Foul), 20. Rhyner (Foul), 21. Stadelmann (Foul), 29. Elvedi (Foul), 67. Gudelj (Foul).

Erfolgreichster Saisonstart seit 84 Jahren

Telegramm

FC Wohlen
FC Schaffhausen
Monday, 31.07.2017 | 20:00 Uhr
Stadion Niedermatten, Wohlen

Resultat: 1:4 (1:2)

Zuschauer: 1273

Torschützen

8' Tunahan Cicek 0:1
24' Miguel Castroman 0:2
40' Igor Tadic 1:2
48' Tunahan Cicek 1:3
83' André Gonçalves 1:4

Karten

14' Noah Loosli (Foul)
20' Jean-Pierre Rhyner (Foul)
21' Dylan Stadelmann (Foul)
29' Jan Elvedi (Foul)
67' Dragisa Gudelj (Foul)

Hauptsponsoren