Ohne Schönheitspreis zu drei Punkten

Dienstag, 18.04.2017 | 00:04 Uhr

Es war wahrlich kein sportlicher Leckerbissen, was der FC Wohlen und der FC Schaffhausen am kühlen Nachmittag des Ostermontags dem Publikum präsentierten. Mit Kampf und Krampf sicherten sich die Nordostschweizer dennoch drei Punkte dank dem einzigen Treffer, für den Kapitän André Luis Neitzke zuständig war.

«Wir haben heute keinen Schönheitspreis gewonnen, dafür drei weitere Zähler im Kampf gegen den Abstieg», kam es über die Lippen des Cheftrainers Murat Yakin. Doch weil der Abstand zum letztplatzierten Chiasso mittlerweile sieben Punkte beträgt und Tabellennachbar FC Aarau aufgrund der 2:3-Niederlage beim FC Zürich nur noch drei Lenzen vor den Munotstädtern liegt, ist nun ein Frontalangriff auf den vierten Rang der Aarauer nur eine logische Folge. Ganz im Gegensatz der Freiämter, die zwar viel mehr Spielanteile hatten, aber die Partie so unglücklich verloren, wie das der FCS vom letzten Herbst bestens kennt. Nur schon die Schussstatistik von 19:5 lässt erahnen, was für einen Aufwand die Wohler betrieben, um am Schluss dennoch ohne Tor- und Punkteerfolg dazustehen.

Katarische Schiedsrichter

Für Gesprächsstoff sorgten auch die Schiedsrichter, die im Rahmen eines Förderprogramms zwischen verschiedenen Landesverbänden - darunter auch der SFV - seit Jahren immer wieder in fremde Ligen eingesetzt werden. Aus dem Qatar eingeflogen, arbitrierte die vor allem aus Wohler Sicht brisante Partie Saoud Ali Al-Adba mit seinen Landsmännern Mohammad Jaber Dharman und Abdulmajeed Hussain Alkarbi, die während der ersten Halbzeit allesamt souverän auftraten. Im zweiten Durchgang hingegen entglitt dem Trio das Zepter etwas. So hätte der Ref bei drei Interventionen jeweils auf Elfmeter für den FCS entscheiden können, doch diese Gunst blieb den Munotstädtern für einmal verwehrt. Auch der ehemalige FCS-Topscorer Igor Tadic haderte mit einigen Entscheiden der Qataris: «Einige Foulpfiffe konnte ich nicht nachvollziehen. Auch hätte er FCS-Torwart Mateo Matic mal ermahnen können, die Abstösse schneller auszuführen», blickte der ehemalige Torschützenkönig auf die Partie zurück.

Ex-Schaffhauser am Aktivsten

Doch deswegen hatten die Freiämter nicht verloren. Vielmehr weil oftmals nur schon der Spielaufbau nicht sauber durchgezogen worden, sodass die ausgehungerten Stürmer Marko Dangubic und Janka Pacar selten bis gar nie zur Geltung kamen. Dafür sprangen andere in die Bresche, wie beispielsweise der beste Wohler Marko Bicvic, ebenfalls mit Schaffhauser Vergangenheit, der nicht nur die Bälle gekonnt verteilte, sondern auch selbst zu guten Abschlussmöglichkeiten kam. Ebenfalls in Szene setzen konnte sich Nils von Niederhäusern, der seinen persönlichen Höhepunkt lediglich bei einem Lattenknaller in der 55. Minute erlebte. Der dritte Aktivste im Bunde war der erst nach 66 Minuten eingewechselte Tadic, der seine ehemaligen Abwehrkollegen immer wieder ins Schwitzen brachte und schon Sekunden nach dem Tausch den Ball um Zentimeter am linken Torpfosten vorbeistreichen sah.

Rhyner mit Startelfdebüt

Auch wenn Stammspieler Muhamed Demiri wegen einer Grippe ausfiel und deswegen die Abwehr etwas umgestellt werden musste, hielt das hellgrün-weisse Bollwerk stand. Startelf-Debütant Jean-Pierre Rhyner auf der Aussenverteidigerposition von Nejc Mevlja, der eine Zone weiter vorne zum Einsatz kam, machte seine Sache ganz prima. Die GC-Leihgabe zeigte Avancen, sich nebst André Gonçalves, Guilherme Fioravanti und Mevlja für diese Position aufzudrängen. Ebenso bewies Keeper Mateo Matic mit seinen vier Big Saves, dass mit dem 21-Jährigen ein «grosser» Goalie heranwachsen könnte. Zum bereits vierten Mal im siebten Spiel blieb Matic ohne Gegentreffer.

FCS mit Effizienz

Auf dem äusserst schwierig bespielbaren Holperrasen, der aufgrund des Abstimmungs-Nein für einen Kunstrasen auch künftig die Niedermatten zieren wird, gab es allerdings einige rare Momente, wo die Schaffhauser in der Wohler Gefahrenzone für Aufruhr sorgten. Granit Lekajs Versuch nach 13 Minuten zum Beispiel oder die Hereingabe Paulinhos, die Luca Tranquilli um Haaresbreite verpasste waren erste Aufhorcher. Nach einem Freistoss von Gjelbrim Taipi, der dieses Mal nur bei Standards glänzte, liess Shkelqim Demhasaj das Geschoss geschickt durch, sodass der Ball am Bein von Dangubic unhaltbar für Kiassumbua abprallte. Doch zum Leidwesen der Nordostschweizer kullerte das Leder unmittelbar am rechten Pfosten vorbei. Besser lief es nach 43 Minuten, als abermals Taipi einen Freistoss trat. Dieses Mal fand er André Luis Neitzkes Kopf, der sein zweites Saisontor markierte. Zu diesem Zeitpunkt sicherlich glücklich, gleichwohl zählte sich die Effizienz der Schaffhauser dadurch aus.

Ein letztes Mal in Baulmes

Für mehr Torspektakel, wie zuletzt gegen den FC Chiasso 1905, reichte es bei diesem anstrengenden Spiel nicht. Dies wird auch in der Folgepartie am kommenden Sonntag beim FC Le Mont-sur-Lausanne nicht anders sein, wo die Voraussetzungen ähnlich sind wie in Wohlen. Übrigens wird es die letzte Reise nach Baulmes sein, weil die Le Monter auf die kommende Saison in die Pontaise nach Lausanne dislozieren, sofern der Ligaerhalt erreicht wird.

Telegramm

FC Wohlen - FC Schaffhausen 0:1 (0:1)
Niedermatten - 748 Zuschauer - SR: Saoud Ali Al-Adba (Qatar)
Tor: 43. Neitzke 0:1.
Wohlen: Kiassumbua; Hajrovic, Stahel, Muslin (66. Tadic); von Niederhäusern, Foschini (75. Seferi), Bicvic, Kamber; Schultz; Pacar, Dangubic (66. Pagliuca).
Schaffhausen: Matic; Lekaj, Neitzke, Rhyner; Paulinho, Zock, Taipi (72. Bunjaku), Mevlja; Tranquilli (56. Gül), Demhasaj (85. Gonçalves), Lang.
Bemerkungen: Wohlen ohne Graf, Castroman (beide verletzt), Giampà, Abegglen, Lotti, Marjanovic, Minkwitz und Stutzer (alle nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Demiri (krank), Grasseler, Zuli, Mikari (alle verletzt), Baumgartner, Fioravanti, Wellhäuser und Zornjak (alle nicht im Aufgebot). - 55. Lattenschuss von Niederhäusern.
Verwarnungen: 61. Lang (Trikotzupfen), 93. Hajrovic (Foul).

Ohne Schönheitspreis zu drei Punkten

Telegramm

FC Wohlen
FC Schaffhausen
Monday, 17.04.2017 | 15:00 Uhr
Stadion Niedermatten, Wohlen

Resultat: 0:1 (0:1)

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